„Nicht wieder Kalten Krieg!“

Käßmann_Margot_2013-03-07_Flickr Margot Käßmann auf der ITB Berlin CC BY 2.0

Die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende und Landesbischöfin Margot Käßman hat in dem evangelischen Online-Magazin »chrismon.de« in dem Artikel „Nicht wieder Kalten Krieg!“ über das Verhältnis zu Russland geschrieben.

Wer für eine Aussöhnung mit Russland ist, auf den prasseln antirussische Reflexe nieder, stellt sie fest und fragt: „Warum eigentlich?“

Rückblickend stellt sie fest, dass die Generation ihrer Eltern, die das Ende des 2. Weltkrieges als Befreiung durch die Amerikaner erlebt hat, nicht verstehen konnte, wie sie, die Kinder, die Amerikaner wegen Vietnam und der NATO-Nachrüstungsdebatte kritisierten. Das empfanden die Älteren als „despektierlich“ und schlossen die Aufforderung an „Dann geh doch rüber!“ in die von den Russen besetzte Zone.

Sie erinnert an 1989, als eben dieser „böse Russe“ zum Helden Michail Gorbatschow mutierte, als Ungarn die Grenzen öffnete, als die friedliche Revolution Mauer und Grenzen wegfegte und Polen Freunde wurden.

Und sie fragt sich, wo das alles heute geblieben ist. Heute werde ein Walter Steinmeier, wenn er vor „Säbelrasseln“ der NATO warnt, als unkritisch verunglimpft und wer gar fragt, ob die US-Manöver Friedensdienlich sind, werde als „Russlandversteher“ gebrandmarkt.

Auf beiden Seiten der Linie zwischen Ost und West lebten Christen, die – auch wenn sie sich manchmal fremd waren und sind – der christliche Glaube, die Geschichte und die Sehnsucht nach Menschlichkeit vereinen.
Man müsse das Gemeinsame betonen, Schlechtes gebe es auf beiden Seiten.

So wie die Kirchen einst „Aussöhnung mit den Völkern der Sowjetunion“ betrieben, ginge es heute „um Aussöhnung zwischen Europa und Russland, ja zwischen Europa Ost und West.“

„Wir sollten alles daran setzen, einen neuen Kalten Krieg, noch viel mehr einen realen Krieg zu vermeiden und den Konfliktherd Krim schnellstmöglich befrieden. Ohne Manöver, ohne Säbelrasseln, aber mit Diplomatie, Vernunft und Menschen, die Erfahrung haben in Mediation und Konfliktbewältigung.“

(hmw/russland.news)

Über den Autor

Hanns-Martin Wietek
Arbeitet als freier Publizist für russische Literatur und Geschichte für verschiedene Medien. Literaturkritiker für buechervielfrass.de und russland.RU. Seit 2003 bei russland.RU zuständig für Kunst und Kultur und stellt russische Künstler vor.