Neues Altes vom Lexikus-Verlag – Die Deutsche Hansa in Russland

Neues Altes vom Lexikus-Verlag – Die Deutsche Hansa in Russland

Herausgegeben mit Unterstützung des Vereins für hansische Geschichte
Autor: Winckler, Artur (1839-1891), Erscheinungsjahr: 1886

Seit Jahren mit den Vorarbeiten zu einer Geschichte der Beziehungen zwischen Deutschland und Russland beschäftigte fesselte mich die Untersuchung der Verbindungen, welche die deutschen Kauffahrer seit dem zwölften Jahrhundert mit den Russen unterhalten haben. In dem Studium der Grund legenden Arbeiten von Sartorius und Lappenberg, wie der für die hansische Geschichte so überaus wertvollen Forschungen, deren Ergebnisse Koppmann, Höhlbaum, von der Ropp und Schäfer in den Einleitungen zu den von ihnen herausgegebenen Rezessen und Urkunden niedergelegt haben, fand ich die Anregung, die Beziehungen der Hansa zu Russland auf urkundlicher Grundlage eingehend darzustellen.

In dem russischen Handel erblickten die Hanseaten den Urquell der Macht und des Reichtums ihres Bundes, und haben sie Jahrhundertelang mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln gerungene um sich im Besitz der ihnen von den russischen Fürsten erteilten Freiheiten und Privilegien zu erhalten. Namentlich war Lübeck unermüdliche seinen Bürgern, den Nowgorodfahrern, die alten Vorrechte auf den russischen Märkten zusichern, und noch heute erinnert das alte Schifferamtshaus am Kuhberg mit seiner seit dem fünfzehnten Jahrhundert wohlerhaltenen Einrichtung an die hohe Bedeutung, die der Verkehr nach Russland für die Lübecker gehabt hat. Die alte Vormacht der Hansa unterhält aber auch gegenwärtig noch einen sehr regen Handels- und Schiffsverkehr nach den russischen Ostseehäfen, welcher den der Schwesterstädte Hamburg und Bremen weit übertrifft.

Aus den statistischen Übersichten, welche mir die Handelskammern von Lübeck, Hamburg und Bremen auf mein Ersuchen freundlich zur Verfügung gestellt haben, wofür ich meinen Dank an dieser Stelle abstatte, ergibt sich, wie der Verkehr der drei Hansastädte mit dem russischen Reiche seit dem Jahre 1815 in stetem Wachsen, namentlich aber seit dem Jahre 1871 in raschem Aufschwung begriffen ist. Es würde zu weit führen, wollte ich hier des Näheren darauf eingehe es mögen einige Angaben aus dem Jahre 1884 genügen.

In die Trave liefen aus den russischen Ostseehäfen ein: 242 Schiffe unter Lübischer, 260 unter Russischer Flagge und gingen dorthin 248 unter Lübischer und 272 unter russischer Flagge. Die Totaleinfuhr betrug 199.389.890 Brutto-Kilogramm im Wert von 39.935.220 Mark, die Ausfuhr 64.832.428 Kgr. im Werte von 44.790.537 Mark.

Bremens Einfuhr von Russland hatte einen Wert von 15.354.489 Mk. seine Ausfuhr nach dort 14.371.422 Mark.

In Hamburg liefen insgesamt 100 Schiffe aus russischen Häfen ein, davon 19 unter Hamburger und 61 unter englischer Flagge, nach Russland gingen 38 Schiffe, davon 19 unter Hamburger und 19 unter russischer Flagge. Die Einfuhr aus den Ostseehäfen betrug 14.070.400 Kgr. die Ausfuhr 23.307.500 Kgr. im Werte von 2.911.440 Mark. Hamburg unterhält einen regen Verkehr nach Russisch Asien, wohin es 1880 u. A. 106.000 Kgr. Seife und 45.600 Kgr. Lichte ausführte. 1884 betrug die Ausfuhr nach Russisch Asien 3.842.600 Kgr., nach dem schwarzen Meer 2.877.900 Kgr. im Werte von 20.452.250 Mark, nach dem weißen Meer 308.300 Kgr. im Werte von 301.020 Mark, die Einfuhr vom schwarzen Meer 150.889.600 Kgr., vom weißen Meer 1.502.100 Kgr.

Aus der Zeit, in welcher die Hansa die Ostsee beherrschte, fehlt es durchaus an zuverlässigen Angaben über die Größe und den Wert der Aus- und Einfuhr von und nach Russland, doch dürfte der Gesamtumsatz dem nach London, Brügge, Antwerpen und Bergen wenig nachgegeben, ihn vielmehr zu Zeiten übertroffen haben.

Der Verein für Hansische Geschichte, dem ich meine Arbeit einreichte, erkannte dieselbe als seine Zwecke fördernd an und unterstützte ihre Herausgabe durch einen namhaften Geldbeitrag, wofür ich mich ihm zu verbindlichstem Danke verpflichtet fühle.

Auch der Königlichen öffentlichen Bibliothek zu Dresden bin ich zu großem Danke verbunden für die nicht genug anzuerkennende Bereitwilligkeit, mit welcher die Herren Beamten derselben meinen Wünschen entgegenkamen.

Charlottenburg, im Januar 1886.
Dr. Arthur Winckler.

Quelle: http://www.lexikus.de/bibliothek/Die-Deutsche-Hansa-in-Russland

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