Nachtwölfe in Sachsen angekommen

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Am Sonntagabend passierte der russische Motorradtross der »Nachtwölfe« die tschechisch-deutsche Grenze. Heute fuhr der umstrittene Pulk weiter Richtung Berlin, wo morgen eine Kranzniederlegung am Ehrenmal im Treptower Park geplant ist.

So reibungslos verlief die alljährliche »Siegestour« der russischen »Nachtwölfe« von Moskau nach Berlin noch nie. Hätte nicht ein einschlägig bekanntes Boulevardblatt das übliche Öl ins Feuer gegossen, die Wenigsten hätten es zur Kenntnis genommen. „Sonntagabend fielen die Nachtwölfe in Dresden ein“, stand da zu lesen – ein herzlicher Willkommensgruß sieht anders aus. Jährlich grassiert eine unbegründete Angst vor den russischen Bikern, die mit ihrer Tour nach Berlin keinen Schrecken verbreiten wollen, sondern nur den gefallenen sowjetischen Soldaten an Ehrenmalen entlang der Strecke gedenken.

„Putins Rocker-Gang“, so die »Bild«, besuchte gestern den Nordwesten Tschechiens und wurde von rund hundert Einwohnern auf dem Marktplatz von Detschin begrüßt. Noch im Vorjahr kam es in Prag zu Demonstrationen gegen den Tross. Anschließend fuhr der Konvoi zum Friedhof Detschin-Folknare, um Kränze und Blumen im Beisein von Walerij Kononowymdem, dem ersten Sekretär der Botschaft der Russischen Föderation in Tschechien, niederzulegen.

Mittlerweile ist der Tross auf gut einhundert Motorradfahrer nebst Begleitung in PKWs angewachsen, von denen die wenigsten die Tour in Moskau begonnen haben dürften. Den Fahrzeugen und Kutten nach zu urteilen, stammen die Biker aus der Slowakei, Slowenien, Tschechien, Polen, Deutschland, Bulgarien, Makedonien und Italien. Die Behörden am Grenzübergang Schmilka waren auf der Hut und nahmen den Konvoi vorsichtshalber in Empfang. Unter den wachsamen Augen der Gesetzeshüter bewegte sich der Tross wohlbehütet durch die Sächsische Schweiz nach Dresden.

„Die »Siegesfahrt« steht für das Gedenken an die Opfer der Weltkriege, die Erinnerung und vor allem die Versöhnung der Vaterländer“, heißt es in einer offiziellen Erklärung der »Nachtwölfe«. „Dabei verbindet uns ein Teil unserer Geschichte und das Motorradfahren, sowie heutzutage das gemeinsame Gedenken und die Zukunft Europas, vom Atlantik bis an den Ural.“ Unter diesem Motto begab sich die eskortierte Entourage zunächst zum Dresdner Heidefriedhof, zum russischen Ehrenmal am Olbrichtplatz und dem Garnisonsfriedhof, um anschließend die Fahrt nach Berlin fortzusetzen.

[mb/russland.NEWS]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.