»Nachtwölfe« in Polen angekommen

Foto: TV-Screenshot
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Der russische Motorradtross ist auf seiner »Siegestour« mittlerweile in Polen angekommen. Entgegen der vergangenen Jahre sei der Grenzübertritt weitgehend problemlos von Statten gegangen. Die Behörden befürchten jedoch einen Ukraine-Abstecher.

So einfach haben sich das wohl nicht einmal die Biker selbst vorgestellt. Problemlos konnten sie gestern die weißrussisch-polnische Grenze überqueren, ohne dass sich jemand daran gestoßen hätte. Das war beileibe nicht immer so. In den vergangenen Jahren uferte der Ausflug der »Nachtwölfe« regelmäßig zu einem Politikum aus, als würden sie statt mit ihren Motorrädern mit Panzern einrollen.

Reibungslos sei alles von Statten gegangen, berichtete die Nachrichtenagentur »TASS«. Lediglich die Zeitung »Vesti« sprach von Problemen, die einige mit dem Zoll gehabt hätten. Auch die Teilnehmer der Fahrt nach Berlin mochten es kaum glauben, wie ein Sprecher der Gruppe sagte: „Jeder war überrascht, einfach so die Grenze zu passieren.“ Was aber nicht heißen soll, dass die polnischen Behörden zusammen mit ihren ukrainischen Kollegen nicht doch noch ein Auge auf „Putins Rocker“, wie sie in westlichen Gazetten bereits tituliert wurden, geworfen hätten.

Befürchtet wird, dass sich ein Teil der Gruppe über die Maifeiertage in die Ukraine absetzt und das soll mit allen Mitteln verhindert werden, bestätigte Oleg Slobodjan, der Sprecher der ukrainischen Grenzbehörden dem Sender »112 Ukraine«. Die Grenzbeamten wollen sämtliche Personen überprüfen, die versuchen könnten in die Ukraine zur Destabilisierung der Lage während der Maifeiertage einzureisen. Еs gibt Informationen über einzelne Personen, aber auch organisierte Gruppen, die versuchen werden, in die Ukraine zu gelangen. Dies betrifft auch die sogenannten russischen Biker. Wir werden sie beobachten“, sagte Slobodjan.

Stattdessen wird sich am ersten Mai ein bulgarisches Chapter der »Wölfe« auf den Weg zu den Gedenkkomplexen Charkan und Sremski begeben, wo zusammen rund 2.500 bulgarische Soldaten bestattet sind. Der weitere Weg soll mit Bikern vor Ort über Serbien, Ungarn und Österreich nach Berlin führen.

Ungeachtet der Kälte haben sich rund hundert »Nachtwölfe« aus der Exklave Kaliningrad mit ihren Motorrädern unter der Leitung von Andrej Kapelew dem Tross angeschlossen, heißt es auf der offiziellen Seite der russischen Biker. Zusätzlich stieß Begleitung aus Polen, Tschechien, Deutschland und der Slowakei zu den Siegestour-Fahrern. Die polnischen Motorradclubs »MC Panther« sowie der »MC Grom Polen« hätten sich ebenfalls heute im Laufe des Tages dazugesellt, heißt es.

In Braniewo [Heiligenbeil, d. Red.], dessen Gedenkstätte mit zu den größten in Europa zählt, gedachten die Kaliningrader »Nachtwölfe« mit polnischen Kollegen den mehr als dreißigtausend sowjetischen Soldaten, deren Gebeine hier ihre letzte Ruhe fanden. Im Anschluss stand der Besuch des Mausoleums der sowjetischen Soldaten in Warschau mit sämtlichen Teilnehmern der Fahrt auf dem Programm.

Die nächsten Stationen der Moskauer »Siegesfahrt« werden die Slowakei, Tschechien und Deutschland sein, um die Tour am neunten Mai am Sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Treptow zu beschließen.

[mb/russland.NEWS]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.