N24 mahnt Postillon ab [mit Video]

Springer-Konzern geht gegen bekannten Video-Blogger mit guten Russlandartikeln vor

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Wer russland.RU liest, kennt auch den Postillon. Denn mit dortiger Genehmigung haben wir schon einige Male exzellente Satire-Beiträge des Postillons zu Russland oder zur Ukraine Krise auszugsweise gepostet.

Nun – was Satire und Parodie sind – müssten Mainstream-Medienmacher ja eigentlich im Wikipedia nachlesen können. Als der Postillon, eine der bekanntesten Satireseiten des deutschsprachigen Internets, eine Nachrichtenparodie namens Postillon 24 produzierte, war eigentlich klar, dass es hier nicht um einen Kopierversuch des Newskanals N24 geht, der seit Dezember letzten Jahres zum Axel Springer-Konzern gehört. So wie im russischen Internet nichts schlimmeres passieren kann, als wenn ein missliebiger Staatsanwalt ein Schimpfwort findet, so ist der deutsche Online-GAU, wenn ein Rechteinhaber oder ein Medienkonzern seine unterbeschäftigten Juristen auf einen hetzt.

Als mitteleuropäisches Totschlagargument dient hier immer das recht dehnbare und zurecht unter Kritik stehende Urheber- oder Markenrecht. Nun hat Springer seine Hausjuristen gegen den Postillon losgelassen und den Satirikern ist eine Abmahnung ins Haus geflattert – wegen „Verwechslungsgefahr“. Obwohl jede Satiresendung des Mainstream-TV bei Parodien mit ebensolchen Stilmitteln arbeitet. Darüber hinaus sind auch nach unserer Auffassung Verwechslungen zwischen Postillion 24 und N24 ausgeschlossen. Mit unseriösen Quellen wie Newskanälen in einem Medienverbund mit der Bild-Zeitung und mit einem Marktanteil von 1,1 %  würden wir nie zusammenarbeiten. Aber auch das kann der Postillon selbst satirisch besser ausdrücken:

Hoffen wir nun, dass dieser Springer-Schuss nach hinten los geht und der Postillion durch das Medienecho erfolgreicher wird als je zuvor. Das wäre nicht das erste Mal und vielleicht kommt ja auch der Norddeutsche Rundfunk den Postboten zu Hilfe, in dessen dritten Nachtprogramm mittlerweile „Postillon 24“ läuft (weil tagsüber und auf dem Ersten wahrscheinlich die hochwertigen Ukraine-Beiträge des WDR laufen müssen). Wir sind froh, durch unseren russischen Sitz gegen diese Art der Angriffe weitgehend gefeit zu sein – sie können ebenso schnell zum Aus eines Webprojekts führen, wie jede politisch motivierte Zensur.