Moskauer Gericht verhängt Hausarrest für Kirill Serebrennikow

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Das Moskauer Basmanny-Gericht hat den Künstlerischen Direktor des Gogol Centers Kirill Serebrennikow bis zum 19. Oktober unter Hausarrest gestellt.

Der russische Theater-, Opern- und Filmregisseur Kirill Serebrennikow war am Dienstag wegen mutmaßlichen Betrugs festgenommen worden. Der Leiter des Moskauer Gogol-Zentrums steht im Verdacht, zwischen 2011 und 2014 staatliche Gelder von 68 Millionen Rubel (knapp eine Million Euro) veruntreut zu haben.

Bis zu seiner Verhaftung war Serebrennikow lediglich Zeuge in einem Verfahren gegen das Moskauer Gogol-Zentrum. Zu den bisherigen Angeklagten gehören seine ehemalige Buchhalterin Nina Masljaewa, der ehemalige Generaldirektor Jurij Itin und der ehemalige Direktor Alexej Malobrodskij. Bei den jetzigen Anschuldigungen die zur Verhaftung Serebrennikows führten geht es um seine Produktionsgesellschaft „Siebtes Studio“, die für die Theater-Werkstatt „Plattform“ am Gogol-Zentrum von 2011 bis 2014 zeitgenössischen Tanz, Musik und Theater aufgeführt und dafür staatliche Förderung bekommen hat. Die Justiz wirft Serebrennikow Betrug in einem besonders schweren Fall vor. Serebrennikow selbst bestreitet die Vorwürfe und nennt sie „absurd“. Ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft und eine Geldstrafe in Höhe von bis zu einer Million Rubel.

Bei der heutigen Vorverhandlung wurde Serebrennikow bis zum 19. Oktober unter Hausarrest gestellt. Es ist ihm in dieser Zeit nicht gestattet, sein Haus zu verlassen, zur Arbeit zu gehen und mit Massenmedien zu sprechen. Dieses sind die üblichen Standardbeschränkungen für Hausarrest. Ebenfalls wird er eine Fußfessel tragen und sich zwei Mal pro Woche melden müssen.

Der Künstler selbst hatte zuvor im Gericht alle Beschuldigungen zurückgewiesen und seine Freilassung verlangt.

Das Gericht begründete den Hausarrest unter anderem damit, dass er über eine Aufenthaltserlaubnis in Lettland und Immobilien im Ausland verfüge.

Laut der oppositionellen Onlinezeitung „Meduza“ versammelten sich vor und in dem Gericht bis zu 500 Demonstranten und Journalisten. Mehrere hundert Menschen unterstützten auf dem Hof des Gerichtsgebäudes Serebrennikow. Sie klatschten und sangen „Kirill“, „Freiheit“ und andere Parolen so laut, dass es im Gerichtssaal hörbar war.

Während der Verhandlung boten mehr als 30 Personen, darunter Natalia Solschenitsina, Chulpan Chamatowa, Andrey Malachow, Sergei Svetlakow, Irina Prochorowa und andere eine Bürgschaft und Kaution für Serebrennikow an. Der Anwalt schlug eine Kaution von 68 Millionen Rubel vor. Dies ist der Betrag den Serebrennikow veruntreut haben soll. Irina Prochorowa, die Ehefrau des Milliardärs Michael Prochorow, erklärte, dass sie bereit wäre jede Summe zu bezahlen.

Serebrennikows Rechtsanwalt Dmitry Kharitonow: „Wir stimmen nicht mit der Entscheidung des Basmanny-Gerichts überein. Wir haben dem Gericht mehr als 30 persönliche Garantien von berühmten Theaterkünstler und kulturellen Persönlichkeiten aus Russland vorgelegt. Wir baten darum, mit den Garantien einverstanden zu sein oder eine Kaution zu beantragen. Leider hat das Gericht uns nicht gehört.“

Zur Verhaftung des Regisseurs Kirill Serebrennikow in Sankt Petersburg erklärte die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Bärbel Kofler, heute (23.08.):

„Ich habe die gestrige Verhaftung des Regisseurs Kirill Serebrennikow in Sankt Petersburg mit Sorge zur Kenntnis genommen und verfolge den Fall sehr aufmerksam. Serebrennikow ist ein international hoch renommierter Künstler, der auch in Berlin lebt und mit verschiedenen deutschen Theatern zusammenarbeitet. Zahlreiche Vertreter des russischen wie des deutschen Kulturlebens hatten sich bereits früher mit ihm solidarisiert.  Der Vorwurf der Unterschlagung gegen ihn ist gravierend. Wir erwarten nun die Details der Vorwürfe und – falls es dazu kommt – ein objektives, faires, rasches und transparentes Verfahren, das die zahlreichen noch offenen Fragen beleuchtet.“

Was mit seinen Inszenierungen im Gogol Center und der Stuttgarter Oper (Premieren im September und Oktober) passieren wird, ist noch unklar.

[ggj/russland.NEWS]