Moskau nicht mehr Stau-Weltmeister

Foto: pixaoppa CC0 Public Domain via Pixabay
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Während das Automobil als zuverlässiges und schnelles Transportmittel beworben wird, sieht mancherorts die Realität ganz anders aus. Man steht, oder kriecht im günstigsten Fall im Schneckentempo, vor sich hin. Eine Studie fand nun heraus, dass sich 2016 die Zeiten im Stau in Moskau verkürzt haben.

Pro Jahr, so die Ergebnisse einer Studie, die das Forschungsinstitut für Verkehr, INRIX, erstellt hat, steht man als Moskauer Autofahrer rund vier Tage im Stau. Wen es tröstet, es war schon einmal schlimmer, da war die russische Hauptstadt führend in der Liste der Städte, in denen man sich meistens nur mit „Stopp and Go“ vorwärts bewegen konnte. Diesen Rang hat nun die kalifornische Metropole Los Angeles für sich beansprucht. Europaweit allerdings steht Moskau immer noch vor London, wo man wiederum „nur“ drei Tage jährlich stehend auf der Straße verbringt. Wie beschaulich es doch da im thüringischen Ludwigsfelde anmutet, wo man jährlich gerade einmal wenig mehr als zwei Stunden verwartet.

Nun ist Ludwigsfelde aber keine Metropole und selbst russische Kleinstädte sprengen meist die Dimensionen einer deutschen Großstadt. Deshalb finden sich in der INRIX-Liste unter den weltweiten Top-25 gleich vier russische Städte mit ähnlichen Problemen im täglichen Straßenverkehr. In Magnitogorsk im Südural, an achter Stelle des weltweiten Rankings vertreten, steht man pro Jahr knapp drei Tage im Stau. Aus russischer Sicht folgt auf Platz 20 das sibirische Kansk. Einer Stadt mit nicht einmal 100.000 Einwohnern, in der man jedoch trotzdem noch zwei Tage warten muss. Gleichauf mit Krasnodar, wo es nicht besser um die Autofahrer bestellt ist.

Bei den europäischen Auswertungen gesellen sich zu den genannten Städten St. Petersburg als 26. Stau-Metropole, dessen Straßenführung in der Innenstadt jedoch ohnehin kein allzu großes Fahrzeugaufkommen zulässt, sodass es sich nur um 52 Stunden jährlich handelt. Sotschi, Nowosibirsk und Ufa werden nur durch München (48,5 Sunden per Anno) von Jekaterinburg, Adler, Nischny Nowgorod und Saratow (47,1 Stunden) getrennt. Am beschaulichsten ist es für russische Autofahrer offenbar in Schachty im Donbass, dem äußersten Südwesten Russlands. Hier bleiben den Automobilisten nicht einmal drei Stunden im Jahr, um sich nicht auf den fließenden Verkehr konzentrieren zu müssen.

Unter den Ländern, in denen diese Statistik erhoben wurde, belegt die Russische Föderation lediglich den vierten Platz. Hier steht man demnach insgesamt kürzer im Stau als in Thailand, Kolumbien oder Indonesien. Danach folgen die Türkei, Großbritannien, Deutschland und die Slowakei. Für die INRIX-Studie wurden Daten auf Basis einer neuen Methodik gesammelt. Dafür sammelte das Unternehmen mit Sitz in Washington über 500 Terrabytes an Daten aus 300 Millionen unterschiedlichen Quellen auf mehr als acht Kilometer langen Straßenabschnitten. Gemessen wurde dabei prozentual zu unterschiedlichen Tageszeiten unter Berücksichtigung des Stoßverkehrs.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.