Merkels „Hunnenrede“ gegen Russland

Schlimm wie vor 114 Jahren – nichts dazugelernt

Bundeskanzlerin Merkel 2014 Brisbane Quelle schreenshot bundeskanzlerin.de
image_pdfimage_print

[von Johannes Stern] Am 27. Juli 1900 hielt Kaiser Wilhelm II. in Bremerhaven seine berüchtigte „Hunnenrede“. Bei der Verabschiedung des deutschen Ostasiatischen Expeditionskorps, das zur blutigen Niederschlagung des Boxeraufstands nach China fuhr, behauptete er, das deutsche Heer sei „in dreißigjähriger treuer Friedensarbeit“ entstanden. China warf er vor, es habe „das Völkerrecht umgeworfen“ und „in einer in der Weltgeschichte nicht erhörten Weise der Heiligkeit des Gesandten, den Pflichten des Gastrechts Hohn gesprochen“.

Schließlich sprach er die berüchtigte Drohung aus, der Name der Deutschen in China möge, wie einst jener der Hunnen in Europa, „auf 1000 Jahre in einer Weise bestätigt werden, dass es niemals wieder ein Chinese wagt, einen Deutschen scheel anzusehen!“

Angela Merkels Frontalangriff auf Russland nach dem G-20-Gipfel in Australien erinnerte an diese aggressive deutsche Großmachtpolitik. Ähnlich wie Wilhelm II. versuchte Merkel, das eigene aggressive Gebaren als Maßnahme zur Verteidigung von Frieden und Völkerrecht zu verkaufen und den Widersacher, in diesem Fall Russland, als Aggressor zu brandmarken.

Vor dem Lowy-Intitut für internationale Politik in Sydney, einem Thinktank, der nach dem Multi-Milliardär und viertreichsten Australier Frank Lowy benannt ist, warf Merkel dem russischen Präsidenten vor, er trete „internationales Recht mit Füßen“, verweigere sich „einer Konfliktlösung mit demokratischen und rechtsstaatlichen Mitteln“, setze auf das „angebliche Recht des Stärkeren“ und stelle „nach den Schrecken zweier Weltkriege und dem Ende des Kalten Krieges die europäische Friedensordnung insgesamt infrage“.

Weiter bei wsws.org