Mendel, Stalin, Ficken und die Grünen

[Aufgeschnappt von Michael Barth] – Äh, zugegeben es ist ein etwas kompliziertes Thema. Der Slogan lautet zunächst einmal „Fickt euch doch alle“. Nein nicht was Sie jetzt denken, es ist noch viel komplexer. Der Spruch nämlich kommt von den Grünen. Respektive der Augsburger Grünen-Jugend. Und jetzt haben wir noch einen Stalin, der das auch nicht so eng sah. Und wir hätten noch einen Mendel mit seinem Gesetz und den etwas rechteren Tellerrand der Gesellschaft.

Wir haben es versprochen, es wird kompliziert. Der Ansatz ist ein Blog, das „Islamisierung und Linkstrend“ stoppen will. In dem wurde gewettert, dass die Augsburger Grünen-Jugend, quasi die die noch grün hinter den Ohren sind, den Inzest legalisieren wollen. Muss man jetzt nicht gut finden, ist aber so. „Fickt euch doch alle“, das war mal so ein richtiger Knaller auf den Augsburger Strassen. Über die Konsequenzen des Inzests, auf die wir jetzt weiter gar nicht eingehen wollen, informiert ausführlich das Internet.

Es gab da einmal einen Gregor Mendel, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts herausgefunden hat, dass immer wieder das Gleiche mit Gleichem aus der Erblinie fortzupflanzen, schlichtweg Mist ist. Soweit dachten die Grünen im 21. Jahrhundert offenbar nicht, sie hatten eigentlich nur „Fi…“, nein lassen wir das, im Sinn. Die Konsequenzen sollten aber auch einem gebürtigen Georgier, der einst Mitte des 20. Jahrhunderts die gesamte Sowjetunion gedachte umzustrukturieren, bewusst gewesen sein, als er mittenmang das Mendelsche Gesetz aushebelte.

Der Kommunismus und seine absurden Gedanken

„Einen sozialistischen menschlichen Wunschkandidaten“, so das Blog, wollten sowohl Stalin als auch die Grünen nun kreieren. Der grüne Genderismus sei so alt wie der Kommunismus, auch das weiß das Blog zu berichten. Das ist insofern interessant, dass ein sowjetischer Agronom und Biologe Namens Trofim Lyssenko diese These bereits 1948 untermauerte. Alles halb so wild meinte er, denn es existieren keine Erbanlagen oder gar Gene. Diese These, wie so viele weitere mehr, war zwar Quatsch, brachte aber seriöse Wissenschaftler mitunter schon mal ins Straflager, wenn sie laut etwas anderes äußerten.

Lyssenkos Thesen, beziehungsweise die Suppe die er köchelte, duften dann allerdings andere auslöffeln. Denn er war unter anderem auch der Ansicht, dass sich Kulturpflanzenarten wie Weizen und Roggen durch geeignete Umweltbedingungen ineinander umwandeln ließen. Ebenso könnten durch eine Aufzucht von Winterformen ohne Kälteschock erbliche Sommerformen erzielt werden. Das ist natürlich genauso Blödsinn, aber Lyssenko war von seiner Theorie dermaßen überzeugt, dass er sie dem damaligen „Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe“, kurz RGW genannt, kurzerhand aufs Auge drückte.

War die Ernährungsgrundlage eh schon, gelinde gesagt, lausig, setzte Trofim Lyssenko noch einen drauf. Die fatalen Folgen seines Programms waren katastrophale Missernten in der Landwirtschaft der damaligen Sowjetunion, die die Landbevölkerung mit schweren Hungersnöten und sehr oft auch dem Tod bezahlen durfte. Auch der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Chinas, Mao Zedong, war ganz angetan von Lyssenkos absurder These und verordnete seiner Volksrepublik das gleiche Programm. Was war das Ende vom Lied? Hunger und Not im Reich der Mitte!

Der Lyssenkoismus und die Grünen

Nachdem der verrückte Professor so allmählich sein Land in Misslichkeiten brachte und nachhaltig schädigte, war ein neues Wort geboren. Der Lyssenkoismus, ein Wort das künftig für Scharlatanerie stehen sollte und zudem als Synonym für die Unterordnung der Wissenschaft zu Gunsten politischer Wunschvorstellungen. Und nun wollen wir endlich wieder von Lyssenkos Irrglauben zum rechten Tellerrand wechseln und möchten uns aufklären lassen, was das jetzt mit den forschen Augsburger Junggrünen gemeinsam hat. Dazu bemühen wir dann wieder das Blog „gegen Islamisierung und Linkstrend“, das uns weiter aufzuklären versucht.

Eine Zwischenüberschrift lässt es bereits erahnen: „Wie die Linken und Grünen Gott spielen wollen“. Demnach seinen die Grünen nun dabei, diese schwere Irrleere wieder auferstehen zu lassen. Und weiter heißt es, wenn sie durch die Hintertür Pädophilie durchdrücken könnten, würden sie damit die Verwandtenehen unter Moslems absegnen. Ob da der Hans-Christian Ströbele, seines Zeichens Mitglied des Bundestages, Anwalt der RAF und Mitbegründer der Berliner TAZ, auch soweit gedacht hat, als er sich für Geschwisterliebe einsetzte? Die Grünen hätten wohl nie geahnt, einmal so nah an Stalins Kommunismus gerückt zu werden.

Aber bei aller Verworrenheit in der ganzen Angelegenheit, eine positive Anmerkung hätten wir noch und die soll nicht verschwiegen werden. Die Deutschen in der damaligen DDR blieben durch das couragierte Wirken von Hans Stubbe, dem Agrarwissenschaftler, Genetiker und Züchtungsforscher an der Akademie der Wissenschaften der DDR, von Lysenkos Lyssenkoismus verschont. Er hatte den Braten rechtzeitig gerochen und sich wohl gedacht: „Ach fickt euch doch alle…“.

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.