Medwedjews Twitter-Account gehackt

Fake-Posts und Edit-War bis zur Rück-Übernahme

Ina Ruck von der ARD jubelte online, die Regierungsagentur RIA Nowosti gab sich recht einsilbig: Unbekannte hackten den Twitter-Account des russischen Premiers Medwedjew und produzierten Nonsens- und Rücktrittsmeldungen.

Mittlerweile sind die entsprechenden Fake-Posts gelöscht. Zunächst folgte um 10 Uhr Moskauer Zeit ein Post, zurücktreten zu wollen und kurz darauf ein Bekenntnis als freier Fotograf. Medwedjew ist in Russland für sein Fotografier-Hobby bekannt, dem er selbst auf internationalen Presseterminen fröhnt, wann auch immer die Gelegenheit dazu ist. Danach begann eine Edit-Schlacht zwschen Fake-Posts und Löschungen, denn die Manipulation wurde wohl schnell entdeckt. Wer dahinter steckt, ist offenbar aber noch nicht bekannt und es ist die Frage, ob die „Unholde“ überhaupt enttarnt werden.

Die Twitter-Piraten schafften es aber noch, dass Medwedjew den Oppositionellen Nawalny und eine gesperrte Webseite abonnierte. Später war wohl wieder alles unter Regierungskontrolle. Im russischen Internet gibt es aktuell viel Unmut, da die Regierung hier die Daumenschrauben gegen die zuvor recht große Online-Pressefreiheit in den letzten Monaten mehrfach angedreht hatte. Da Russland über viele talentierte Hacker verfügt, ist durchaus mit weiteren ähnlichen Aktionen zu rechnen.

Medwedjew gilt im Gegensatz zu Putin als sehr Internet-Affin und in seiner Amtszeit als Präsident pflegte er viel direkten Kontakt über das russische Netz, unter anderem einen regelmäßigen Videoblog und Treffen mit bekannten russischen Netzaktivisten. Zu den neuerlichen Online-Restriktionen durch neue russische Gesetze ist von ihm bisher nichts zu hören.

Russische Hacker wiederum sind durchaus politisch und richten ihre letzten Aktionen ebenso gegen ukrainische Militärs wie jetzt die russische Regierung. Applaus gibt es – wie im Falle Rucks – natürlich immer nur von der Gegenseite, während man sich bei Aktionen gegen eigene „Freunde“ empört gibt.

Roland Bathon, russland.RU – Foto: Wikimedia Commons