Die Vorsitzende des russischen Föderationsrats, Walentina Matwijenko, hat vor einer fortschreitenden Entleerung weiter Teile des Landes gewarnt. Beim Forum „Kleine Heimat – Stärke Russlands“ in Moskau erklärte sie, die „Entvölkerung von Territorien“ sei für Russland eine strategische Gefahr. Das gelte sowohl mit Blick auf die nationale Sicherheit als auch auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes.
Matwijenko stellte die These auf, Russland sei historisch „nie ein Land der Agglomerationen und Megastädte“ gewesen. Aus ihrer Sicht müsse deshalb eine gleichmäßigere Verteilung der Bevölkerung über das gesamte Staatsgebiet hinweg angestrebt werden. Menschen sollten nicht in einigen wenigen Großstädten „gedrängt“ in Wohnungen leben, fern von ihren Herkunftsregionen, sondern überall im Land Bedingungen vorfinden, unter denen sie geräumige Häuser bauen und größere Familien gründen können.
Die Entwicklung hin zu einer ausgewogeneren Besiedlung zeichne sich laut Matwijenko bereits ab, müsse aber politisch auf allen Ebenen unterstützt werden — von den Kommunen bis zur Föderation. Damit verbindet die Senatorin ausdrücklich auch familien- und demographiepolitische Erwartungen: Mehr Wohnraum außerhalb der Metropolen soll nach ihrer Vorstellung zugleich die Grundlage für mehr Kinder und ein anderes „Bild der Zukunft“ Russlands schaffen.
Die Äußerungen fügen sich in eine seit längerem geführte Debatte über die starke Konzentration staatlicher Förderung auf Moskau, St. Petersburg und deren Umland ein. Bereits 2025 Matwijenko hatte gefordert, vergünstigte Kredite nur noch am Ort der offiziellen Anmeldung zu vergeben. Damals argumentierte sie, ein großer Teil der Vorzugsdarlehen fließe in die Hauptstadtregionen, statt Familien in anderen Teilen des Landes zugutezukommen.
Matwijenkos Wortwahl zeigt, wie eng die russische Führung Demographie, Raumordnung und Sicherheit inzwischen miteinander verknüpft. Die Abwanderung aus kleineren Städten und ländlichen Regionen erscheint in dieser Lesart nicht mehr nur als soziales oder wirtschaftliches Problem, sondern als strategische Herausforderung für den Staat selbst.

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