Mars-Landung: 3-2-1-Off

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Es hätte der Coup schlechthin werden sollen. Die erste gelungene europäische Landung auf dem roten Planeten überhaupt. Froher Dinge war man, als man begann, das Projekt vor zehn Jahren zu realisieren. 141 Millionen Kilometer Flug in sieben Monaten. Danach die langersehnte Landung – oder auch nicht. Die europäisch-russische Marsmission steht in den Sternen.

Mit dem Aussehen einer in Alufolie eingepackten Strandkrabbe sollte das Raumsonden-Modul „Schiaparelli“ den Mars erkunden. Nachsehen, wie es auf der Oberfläche des Nachbarplaneten unserer Erde aussieht, erforschen ob es Leben dort geben mag. Der „Rote Planet“ und seine Marsmännchen, die Never-Ending-Story im Sciense-Fiktion-Genre. Nachdem der Mann im Mond als Mythos entlarvt war, beflügelten daraufhin die Marsianer die Phantasie der Menschen.

Nach sieben Monaten nun das bange Warten auf die Landung. Funksignale die etwa zehn Minuten brauchen, bis sie auf der Erde angekommen sind, melden, dass sich das Modul wie vorausgeplant von dem Satelliten der zweiteiligen Raumsonde gelöst hat. Die Geschwindigkeit wurde auf zehn Stundenkilometer gebremst. Sahen es die ersten Minuten der Landungsphase noch nach Routine aus, blieben 50 Sekunden vor dem Aufsetzen auf der Mars-Oberfläche plötzlich die Signale aus. „Schiaparelli“ wollte sich einfach nicht mehr melden.

Banges Warten

Dabei wäre gerade die Landung eine der wichtigsten Missionen der „ExoMars“-Sonde bei dem Unternehmen gewesen. Ein zu hundert Prozent gelungenes Landemanöver sollte die Vorstufe für den für das Jahr 2020 geplanten Ausflug eines Mars-Roboters sein. Jedoch, die 600 Kilogramm schwere Sonde ließ sich offenbar nicht mehr ordnungsgemäß kontrollieren. Offenbar, so musste sich das Kontrollzentrum in Darmstadt eingestehen, befand sich das Modul letztendlich nicht mit zehn, sondern gleich mit 300 Kilometern in der Stunde auf den Anflug zum Mars. „Das ist traurig, aber wir müssen feststellen, dass die Sonde nicht erfolgreich gelandet ist“, resümierte der Chef der „ESA“, Jan Wörner.

Das Schweigen der Mars-Sonde verheißt also nichts Gutes. Man könne davon ausgehen, dass „Schiaparelli“ gelandet sei, wagte sich der „Esa“-Experte Andrea Accomazzo zu prognostizieren. Unklar sei allerdings auch für ihn, in welchem Zustand, „Das Raumfahrzeug hat sich nicht so verhalten, wie wir das erwartet haben“, musste Accomazzo einräumen. Die erste Zeit bangen Wartens ist mittlerweile der Ernüchterung gewichen, nie mehr etwas von „Schiaparelli“ zu hören. Und das, obwohl der Landeanflug wie geplant von Statten gehen konnte. „Bis zu einem gewissen Punkt“, wie Accomazzo meinte.

Die Ernüchterung

Allerdings seien die Bremstriebwerke nur drei oder vier, statt der vorhergesehenen 30 Sekunden gefeuert worden, so der „Esa“-Experte. Es scheint möglich, dass das Raumgefährt mit deutlich zu viel Wucht auf dem Mars aufgekommen sei. Gemeinsam mit den russischen Partnern von „Roskosmos“ will man in den kommenden Tagen auf Spurensuche gehen. Zwar habe das Modul Daten gesammelt, nur, ob die jemals noch jemand zu sehen bekommt, scheint eher unwahrscheinlich. „Wir werden daraus lernen. Ich sehe das nicht als Rückschlag“, gab sich Michel Denis, der Flugdirektor bei „ESA“, trotzig.

Auch die Nachbarschaftshilfe erbrachte bisher nichts Genaues über die „Minuten des Schreckens“, wie der beteiligte Ingenieur Jorge Vago den Abschluss des Landevorgangs nennt. Das erste und vermutlich auch einzige Signal des Beginns des Manövers empfing das weltgrößte Radioteleskop „Giant Metrewave Radio Telescope“ in Indien. Danach war Schluss. Auch konnte weder die „ESA“-Raumsonde „Mars Express“, noch das „NASA“-Pendant „Mars Reconiassance Orbiter“ etwas genaueres „sagen“. Auch der Mars-Rover „Opportunity“ schaffte es nicht, ein Foto des „ESA“ Bausteins beim Landeanflug zu machen.

Auch wenn „Schiaparelli“ vermutlich beim Landen wegen des mitgeführten Raketentreibstoffs explodiert ist, konnte immerhin die Sonde der „ExoMars-Mission“, der „Trace Gas Orbiter“, seine weitere Aufgabe erfüllen. Ersten Daten zufolge ist die Sonde in der richtigen Mars-Umlaufbahn und wird den roten Planeten somit fortan auf einer kreisförmigen 400-Kilometer-Umlaufbahn umrunden. „ESA“-Chef Wörner und seine Leute wollen im Jahr 2020 den zweiten Teil von „ExoMars“ zum Roten Planeten schicken. Unklar ist jedoch noch mit was. Es fehlen halt immer noch um die 300 Millionen Euro, die für das Projekt aufzubringen wären.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.