Maidan ruft Mayday: Phantomschmerz in Kiew

Foto: Hans CC0 Public Domain via Pixabay
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[Kommentar von Hans-Ulrich Berger] – Unter Poroschenko zerdeppert Kiew weiterhin Porzellan. Nach einem Interview, in dem der deutsche Botschafter Reichel ein Szenario von Wahlen im nicht-demilitarisierten Donbass skizzierte, flippen ukrainische Politiker auf diversen Kanälen aus. In Deutschland habe das beim Rückzug der russischen Truppen funktioniert, erinnerte Reichel – als kleinen Impuls, um den Verlauf des zähflüssigen Minsker Abkommens zu beleben.

Anscheinend eine Horrorvorstellung für die neuen Machthaber in Kiew: Botschafter Reichel ins Außenministerium einbestellt, Rufe nach seiner Auswechslung, Boykott von Empfängen, medienwirksame Sprühaktion an einem Fragment der Berliner Mauer, das als Mahnmal im Gelände der Botschaft steht und Außenminister Klimkin twitterte, Wahlen ’vor russischen Gewehrläufen’ seien eine Farce.

Die nach dem Maidan an die Macht gespülte Truppe um Poroschenko brüskiert Berlin. An einer friedlichen Lösung scheint Kiew nicht interessiert. Erst die heftigen militärischen Scharmützel zum Jahresbeginn, jetzt die diplomatische Offensive gegen Lösungsvorschläge aus dem Munde von Botschafter Reichel. Schon ätzt Tschischow, der russische Botschafter bei der EU, ‚was Kiew denn noch tun müsse, um diese Vereinbarungen (Minsk) zum Scheitern zu bringen’.

Noch hat keiner in Kiew so richtig begriffen, dass der Kreml die Ukraine amputiert hat – die Krim ist weg, um es salopp zu formulieren. Das schmerzt, aber realpolitisch gesehen schmerzt ein Phantom. Statt mit dieser Situation kooperativ zu dealen, schneidet man sich nun auch noch den Donbass raus. Verstehe das, wer kann.

Ob die im Porzellanladen trampelnden ukrainischen Politiker so um die Sympathie des neuen Autokraten Trump buhlen? Nach Russland auch die EU dämonisieren und schnell unter den amerikanischen ’First’ flüchten?

Amateure sind es, die nicht begreifen, dass die Ukraine durch Selbstbereicherung und Nationalismus zum Spielball geopolitischer Interessen mutierte. Weder Putin noch Trump sind an schnellen Veränderungen in der Ukraine interessiert. Nur Kiew scheint sich nach weiterem Machtverlust zu sehnen.

[Hans-Ulrich Berger/russland.NEWS]