„Mach zuhause Urlaub. Deine Krim“ – Meiden Russen nun dieTürkei?

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Im Twitter hat der Hashtag „#НеЕдувТурцию“ (#IchFahreNichtInDieTürkei) Tausende Follower gefunden. Da heißt es unter anderem: „Antalya, auf Wiedersehen!“. Was scherzhaft klingt, hat einen ernsten Hintergrund: Wenn nach dem Abschuss des russischen Kampfbombers die russischen Feriengäste wegbleiben, bekommt die Türkei ein sehr ernstes Problem – und Russlands Inlandstourismus eine unerwartete Chance.

Am Dienstag hatten das russische Außenministerium und der Tourismusverband den Russen empfohlen, nicht in die Türkei zu reisen. Später erfolgte die Anweisung des Verbandes an die Reisebüros, keine Türkeireisen mehr zu verkaufen. RIA Novosti meldet, dass 20 Prozent der Passagiere, die für die nächsten fünf Tage Flüge in die Türkei gebucht hatten, ihre Tickets storniert haben.

„Das hat es selbst nach dem Absturz im Sinai nicht gegeben“

Ein Vertreter der Branche erklärte RIA, selbst nach dem Absturz des russischen Urlaubsfliegers Ende Oktober über dem Sinai sei eine solche Reaktion nicht zu verzeichnen gewesen: „Die Leute haben schnell auf die neue Situation reagiert und sind bereit, wegen der Sicherheit finanzielle Einbußen hinzunehmen. Die nächsten Tage werden die allgemeine Dynamik bei diesen Reisezielen aufzeigen und wie die Russen ihre Urlaubsprioritäten ändern.“

Neben Ägypten war die Türkei in den letzten Jahren das beliebteste Urlaubsziel für Russen. Das liegt unter anderem daran, dass es für sie dort keine Visapflicht gibt. „Der gute Service und die vernünftigen Preise locken die russischen Urlauber das ganze Jahr über in Scharen an die türkische Küste“, schreibt Rambler.novosti. Allerdings gebe es rückläufige Zahlen. Darunter leide ganz besonders Antalya.

Antalya, goodbye?

Mehr oder minder vertrauenswürdige Zahlen sind bei Vedomosti.ru zu lesen. Laut Analysen von „Renaissance Kapital“ haben im letzten Jahr 4,48 Millionen Russen die Türkei besucht. Das sind zwölf Prozent vom gesamten Touristenaufkommen. Nur aus Deutschland kamen mehr Urlauber (5,25 Millionen). Im ersten Halbjahr 2015 sei die Zahl der russischen Besucher um eine halbe Million zurückgegangen. Sollten die Russen ganz wegbleiben, würde die türkische Wirtschaft einen Verlust von 2,77 Milliarden US-Dollar erleiden.

Was für die Türken schlecht wäre, könnte dem russischen Inlandstourismus zugutekommen. Hier tritt die kürzlich wiedererworbene Halbinsel Krim auf den Plan. Deren touristisches Potential ist riesengroß und bisher kaum ausgeschöpft. Geo-politica.info bringt es auf den Punkt: „Wenn hier Geld investiert wird, entsteht mit der Zeit auch die entsprechende Infrastruktur. Glück im Unglück, muss es in diesem Falle wohl heißen.“

[sb/russland.RU]