Loko ist Pokalsieger, Spartak hat Probleme, Zenit und UFA unter Mauscheleiverdacht

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Nach acht Jahren Pause holt Lokomotive Moskau den Landespokal und kann seine ewigen Sorgen für kurze Zeit vergessen. Beim Hauptstadtkollegen Spartak hängt der Haussegen dagegen richtig schief, denn der Geldgeber hat das Handtuch geworfen. Meister Zenit und Abstiegskandidat Ufa werden verdächtigt, im letzten Spiel gemeinsame Sache gemacht zu haben.

Das Pokalfinale am Donnerstag in Astrachan war über weite Strecken ein Langweiler. Nach der verdienten Führung von Kuban Krasnodar (28. Minute, Wladislaw Ignatjew) passierte lange Zeit so gut wie gar nichts auf dem Platz. Auch der Ausgleich für Loko (Oumar Niasse in der 73. Minute) kam mehr oder weniger aus dem Nichts. Fahrt kam erst in der Verlängerung auf, in der die nominalen Hausherren aus Moskau zwei weitere Treffer erzielten (Mbark Boussoufa und Alexej Mirantschuk).

Ein Trostpflaster für die Eisenbahner

Das etwas glückliche 3:1 für die „Eisenbahner“ ist in der seit Jahren verworrenen Situation im Verein ein willkommenes Trostpflaster. Loko ist in Russland der Klub mit dem größten Trainerverbrauch. Auch gestern saß mal wieder ein Interims-Gespann auf der Bank, nachdem der letzte Coach, Miodrag Bozovic, unlängst geflogen war. Kurios: Auch Leonid Kutschuk, der Cheftrainer des gestrigen Gegners, hatte vor nicht langer Zeit ein Gastspiel bei den Moskauern absolviert. Die Niederlage in der prinzipiellen Begegnung mit seinem Ex-Verein bedeutet für Kutschuk wahrscheinlich auch das Aus in Krasnodar.

Ganz aus dem Häuschen war nach dem Schlusspfiff Lokos Präsidentin Olga Smorodskaja. Die sonst so zugeknöpfte „Eiserne Lady“ ist für viele Loko-Fans Hassobjekt Nummer 1 – ihr legt man die seit Jahren hinkende Leistung und den immensen Trainerverschließ zur Last. Der erste Sieg seit 2008 wird die Probleme im Verein nun eine Zeitlang verdecken, verschwunden sind sie aber natürlich keineswegs.

Fedun verlässt Spartak, Yakin wird ihm folgen – kommt jetzt Magath?

Auch bei Spartak Moskau geht es seit Jahren drunter und drüber. Der sportliche Erfolg bleibt aus, die letzte Meisterschaft liegt 14 Jahre zurück, und in dieser Saison könnte es nicht einmal einen Platz in der Europa League geben. Nach der vorerst letzten herben Klatsche – 0:4 im wichtigsten russischen Derby gegen ZSKA – hat Aufsichtsratschef Leonid Fedun, der den Klub seit zehn Jahren leitet und finanziert, seinen Rücktritt erklärt.

„Ich mache mir große Sorgen um das Schicksal von Spartak und verstehe, dass die Zeit gekommen ist, die Machtbefugnisse Profis zu überlassen. Vielleicht sind sie kompetenter und führen den Volksklub zu neuen Titeln“, ließ Fedun unlängst offiziell verlauten. Er gibt damit offen zu: dem Traditionsverein mangelt es an Professionalität und Kompetenz.

Das Machtgerangel in der Führungsriege, das seit Jahren kein Geheimnis ist und zu einem ähnlichen Trainerverschleiß wie bei Loko geführt hat, hat also ein vorläufiges Ergebnis gezeitigt. Wer den Aufsichtsrat künftig anführen wird, ist noch nicht klar. Die Finanzierung durch Fedun, der nach einigen Berechnungen an die zwei Milliarden Euro in den Verein gesteckt haben soll, bleibt allerdings erhalten.

Dass der Schweizer Cheftrainer Murat Yakin zu Saisonende gehen muss, ist wohl beschlossene Sache. Auch ihm ist es nicht gelungen, dem einst erfolgreichsten und beliebtesten Fußballverein Russlands einen vernünftigen Spielstil zu verpassen, bei dem Zählbares herausspringt. Gerüchten zufolge könnten die „Spartaner“ Bundesliga-Urgestein Felix Magath verpflichten – die Rede ist von drei Millionen Euro Honorar pro Jahr.

Zenit und Ufa unter Verdacht?

Nach dem 1:1 zwischen Zenit St. Petersburg und Ufa am letzten Wochenende wurde in der russischen sportinteressierten Öffentlichkeit gemunkelt, ob bei dem Spiel, mit dem Zenit seine Meisterschaft perfekt gemacht hatte, alles mit rechten Dingen zugegangen ist. So erklärte der Fußballagent Rustam Radschabow, er habe Beweise dafür, dass die beiden Vereine sich zuvor auf ein Remis geeinigt hätten, von dem beide Seiten profitieren würden – Zenit könnte als nomineller Gast zuhause vorzeitig Meister werden, Ufa hätte einen Punkt im Abstiegskampf gewonnen.

„Mich hat vorher ein Freund angerufen und gesagt, das Spiel sei zu 100 Prozent gekauft, und wenn ich wetten wolle, sollte ich auf ein Unentschieden setzen“, so Radschabow. Daraufhin habe er sich das Match „sehr genau“ angesehen und könne dem Verdacht nur beipflichten. „Meine Oma hätte nichts gemerkt, aber ich kenne mich ja aus im Fußball“, lautete sein Kommentar.

Der Russische Fußballverband RFS lud Radschabow daraufhin ein, diese Erklärung vor der Anti-Korruptions-Kommission zu wiederholen, der Agent weigert sich jedoch. Sergej Stepaschin, ehemaliger Chef des russischen Rechnungshofs und Mitglied des Vollzugskomitees des RFS wies die Anschuldigung zurück. Gegenüber „Sovsport“ sagte er: „Ich glaube das nicht. Zenit hätte auch so gegen Ufa gewonnen. So hat die Mannschaft von Kolywanow (Trainer von Ufa – d. Red.) 32 Millionen Rubel damit verdient, dass sie in Petersburg ein Heimspiel gehabt hat.“

[sb/russland.RU]