Leiter der Repräsentanz der russischen Handelskammer in Beriln Sergey Nikitin über deutsch-russische Kooperation: „Maximal direkte Kontakte“Leiter der Repräsentanz der russischen Handelskammer in Beriln Sergey Nikitin

Leiter der Repräsentanz der russischen Handelskammer in Beriln Sergey Nikitin über deutsch-russische Kooperation: „Maximal direkte Kontakte“

Herr Nikitin, was genau ist Ihre Aufgabe in Deutschland?

Nikitin: Unser Ziel ist es, maximal direkte Kontakte zwischen russischen und deutschen Unternehmen zu ermöglichen, sie bei den Markteintritten in beiden Ländern zu unterstützen sowie die Integration russischer Unternehmen in die globalen Märkte und Wertschöpfungsketten zu fördern. Vor allem die Zusammenarbeit auf der regionalen Ebene ist für uns sehr wichtig. Insgesamt arbeiten jetzt 50.000 russische und deutsche Unternehmen zusammen. Etwa 2.000 russische Unternehmen sind auf dem deutschen Markt vertreten.

Was genau suchen die Unternehmen, die zu Ihnen kommen?

Nikitin: Wir informieren die Firmen, die sich auf der Suche nach einem Partner an uns wenden, genau über die Branchen. Ich würde drei Richtungen hervorheben. Zuerst sind das Joint Ventures, sowie in Russland als auch in Deutschland. Vor allem jetzt, wo in Deutschland bei klein- und mittelständischen Unternehmen oder Familienunternehmen das Problem mit der Vererbung existiert, die junge Generation will gar nicht ein Unternehmen führen oder es gibt keine Erben. Hier ergeben sich neue Möglichkeiten der Kooperation.

Haben denn deutsche Unternehmer keine Bedenken, die russische Wirtschaft „reinzulassen“?

Nikitin: Es gibt verschiedene Stimmungen aber insgesamt ist die Einstellung eher positiv. Die zweite Richtung ist der Export. Vom Jahr zu Jahr haben wir immer mehr russische Unternehmen auf Messen, denn trotzt den Sanktionen gibt es neue, spannende Produkte und Firmen. Unsere Aufgabe ist hier eben, den russischen Export nach Deutschland zu fördern. Denn es geht vor allem nicht um eine Konkurrenz zu deutschen Produkten, sondern um neue Service- oder IT-Leistungen. Überhaupt ist die IT-Branche die dritte Richtung.

Können Sie konkrete Projekte nennen?

Nikitin: Mein Lieblingsbeispiel ist der Supercomputer JURECA, der im Forschungszentrum Jülich seit 2015 in Betrieb ist und zusammen mit dem russischen Hersteller T-Platforms und der Software-Firma ParTec aus München entwickelt wurde.

Wie würden Sie generell die Stimmung in Deutschland im Bezug für russisches Business bezeichnen?

Nikitin: Manchmal stoßen wir schon auf geschlossene Türen. Wegen den Sanktionen ist es viel schwieriger geworden, Kredite zu bekommen. Auf der anderen Seite ist die Überzeugung, dass wir gut zu einander passen, nicht tot zu kriegen. Der riesige russische Markt hat seine Anziehungskraft für deutsche Unternehmer nicht verloren. Und diejenigen, die den Schritt nach Russland gewagt haben, sagen oft, dass die Arbeit dort oder mit Russland einen gewissen Charme hat, man will einfach nicht mehr weg. Und das bestätigen auch die Zahlen. Laut den letzten Umfragen der AHK Moskau, will die überwiegende Mehrheit der deutschen Firmen Russland nicht verlassen, sondern weiter investieren und lokalisieren.

[Daria Boll-Palievskaya/russland.NEWS]

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