Krim: Zwei Tote und zwei Verletzte bei Schießerei in Simferopol

Schusswechsel vor Kaserne - Auslöser und erster Schütze wird noch ermittelt - Verdächtig sind "Selbstverteidigungskräfte" und Provokateure - kein Angriff der russischen Truppen

Nach übereinstimmenden Meldungen mehrerer Onlinemedien auf der Krim hat es in Simferopol eine Schießerei gegeben, bei der zwei Menschen getötet worden sind. Sie fand bei einer ukrainischen Kaserne an der Kubaner Straße statt.

  • Dieser Bericht – wie alle von der Krim bei russland.RU – basiert ausschließlich auf Meldungen der örtlichen Presse, um eine Beeinflussung unserer Berichterstattung durch deutsche oder russische Propaganda zu verhindern, sowie unseren direkten Partnern vor Ort.

Die gesicherten Fakten, die in mehreren örtlichen Medien übereinstimmend zu lesen sind, sind folgende: Es gab eine Schießerei auf der Kubaner Straße in Simferopol. Nach einem offiziellen Statement der Polizei, das die Onlinezeitung krym.net zitiert, wurden dabei zwei Menschen getötet. Die Onlinezeitung allcrimea.net meldet, bei den Toten handele es sich um einen regulären ukrainischen Soldaten und einen Vertreter der „Selbstverteidigungstruppen“ der Krim. Die näheren Umstände würden aktuell von Staatsanwaltschaft und Polizei untersucht.

Was bereits fest steht ist, dass Schüsse in zwei Richtungen gefeuert wurden, also ein Schusswechsel stattfand. Auch auf Krim-Zeitungen findet sich die These, Selbstverteidigungskräfte von der Insel selbst hätten das Feuer eröffnet (krym.net). Andere wiederum schreiben (sevnews.info), Provokateure der „anderen Seite“, also nationalistische Westukrainer seien am Tag der Vereinigung der Krim mit Russland aktiv gewesen. So oder so dürfte es sich um eine Provokation von Unruhen paramilitärischer Einheiten gehandelt haben. Durch gewaltbereites Militär und Paramilitär allerorten gleicht die Situation auf der Krim auch nach dem erfolgreichen Referendum zur Unabhängigkeit einem Pulverfass.

Alle Online-Medien der Krim widersprechen jedoch der Darstellung deutscher Mainstream-Medien, es habe einen möglichen Angriff regulärer russischer Soldaten auf eine ukrainische Kaserne gegeben. Vielmehr deuten die angelaufenen Untersuchungen darauf hin, dass die offizielle, prorussische Krim-Administration den Gewaltausbruch missbilligt und bestrafen will. Er ist auch ihrer Sache nicht dienlich und schafft im Moment des Erfolges Unruhe. Sollten „Selbstverteidigungstruppen“ der Krim das Feuer eröffnet haben, erhält Russland nun die Quittung dafür, dass es schlecht ausgebildete Paramilitärs wie Kosakeneinheiten an der Kontrolle der Halbinsel beteiligt, neben „offiziellen“ russischen Soldaten sowie den „kleinen grünen Männchen“ (nicht-offizielle russische Soldaten). Ein Zusammenhang mit Toten der Vortage auf dem ostukrainischen Festland gibt es jedoch, auch wenn die großen deutschen Medien unterschwellig diesen Eindruck erwecken wollen nicht. In Charkow und Donezk kamen bei prorussischen Demonstrationen in den letzten Tagen zwei Demonstranten und ein Polizist zu Tode. Mindestens die beiden Demonstranten gehen jedoch auf das Konto westukrainischer Nationalisten, die vor Ort Demonstrationen angegriffen haben, worauf sich Straßenschlachten entwickelten.

Währenddessen bereiten sich laut Kertsch FM die Menschen darauf vor, im Laufe des Monats die russische Staatsbürgerschaft zu erhalten. Die Regionalregierung hat angekündigt, dass es auf der Krim auch nach dem Anschluss an Russland mit Russisch, Ukrainisch und Tatarisch drei Amtssprachen geben soll. Gegenüber der Onlinezeitung Forpost aus Sewastopol haben Vertreter der Krim-Tataren, darunter ihr Sewastopoler Oberhaupt Lenur Usmanow angegeben, viele von ihnen hätten den Wechsel nach Russland unterstützt. Man wolle keinen „Staat im Staate“, wenn die Bewahrung der Kultur und Tradition der Tataren auf der Krim gesichert sei. Über die Krim-Tataren war zu Beginn des Konfliktes häufig gemeldet worden, sie seien gegen eine Abspaltung der Krim von der Ukraine. Tatsächlich dürfte es unter ihnen eine größere Fraktion des Widerstands gegeben haben, die sich auch in Demonstrationen äußerte. Ob nun eine „Bekehrung“ stattgefunden hat, Fähnchen in den Wind gehängt werden oder Vertreter einer innertatarisch anderen Fraktion sprechen, lässt sich wohl nicht mehr ermitteln.