Kreml kommentiert deutsche Militärstrategie mit scharfem historischen Unterton

Der Kreml hat sich mit scharfen Worten zur neuen militärischen Strategie Deutschlands geäußert. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte, angesichts der Pläne zum Ausbau der Bundeswehr dürfte „vielen europäischen Staats- und Regierungschefs ein Schauer über den Rücken laufen“.

Peskow äußerte sich dazu in einem Interview mit dem Reporter Pawel Sarubin des russischen Staatsfernsehens. Dabei spielte er mit deutlichem historischem Unterton auf Deutschlands Vergangenheit an. Entscheidend sei, so Peskow, dass der politische Kurs Deutschlands „nicht wieder in die gleiche Richtung geht, in die er schon mehrmals in der Geschichte gegangen ist“. Nach seiner Darstellung dürften viele europäische Politiker mit Unbehagen auf die angekündigte militärische Aufrüstung Deutschlands blicken.

Hintergrund der Äußerung ist die neue Militärstrategie, die Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius vorgestellt hat. Nach russischer Darstellung handelt es sich um die erste Militärstrategie in der Geschichte der Bundeswehr. Vorgesehen ist demnach ein Ausbau der aktiven Streitkräfte auf 260.000 Soldaten. Im Zentrum der strategischen Ausrichtung steht die Abwehr möglicher Bedrohungen durch Russland. Aus Moskauer Sicht ist dies Ausdruck einer westlichen Politik, die Russland als Gegner behandelt und zugleich die weitere Ausdehnung des westlichen Einflussraums militärisch absichern will.

Zugleich verweist der Text darauf, dass die Zahl der deutschen Soldaten zuletzt einen Höchststand der vergangenen zwölf Jahre erreicht habe. In Moskau wird die Debatte über den Ausbau der Bundeswehr deshalb nicht nur als sicherheitspolitische, sondern auch als symbolisch aufgeladene Entwicklung gelesen. Peskows Formulierung vom „Schauer über den Rücken“ zielt erkennbar darauf, die deutsche Aufrüstung in einen historischen Zusammenhang zu stellen und innerhalb Europas Misstrauen gegenüber Berlin zu schüren.

Russland weist zugleich westliche Warnungen vor möglichen russischen Angriffsplänen gegen die Nato weiterhin zurück. Präsident Wladimir Putin hatte entsprechende Aussagen europäischer Politiker wiederholt als Unsinn bezeichnet. Die Vorstellung eines großen Krieges mit dem Bündnis sei, so Putin, Ausdruck von „Wahn“ und „Lüge“. Aus dem Kreml kommt damit weiterhin die bekannte Argumentationslinie: Nicht Russland sei der Aggressor gegenüber Europa, sondern der Westen nutze das Bild einer russischen Bedrohung, um Aufrüstung und Konfrontation politisch zu rechtfertigen.

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