Kommentar: “Tag des Vaterlandsverteidigers” mit bitterem Nebengeschmack

[Von Eugen von Arb] – Der “Tag des Vaterlandsverteidigers” war früher ein sorgenfreies und lustiges Fest, an dem ehemalige Soldaten Andekdoten aus ihrer Dienstzeit erzählten und die Frauen auf die “Verteidiger der Familie” tranken. Dieses Jahr ist alles anders, denn alle – auch jene, die den offiziellen Nachrichten glauben – wissen von den Meldungen über russische “Vaterlandsverteidiger”, die freiwillig oder eben unfreiwillig in der Ostukraine kämpfen.

Die Nachrichten von Soldaten, die in ihren Kasernen per Unterschrift gezwungen werden, sich für einen Dienst im Kriegsgebiet zu verpflichten, reissen nicht ab. Bereits im vergangenen Jahr hatte es diverse Zwischenfälle gegeben, die von der Anwesenheit regulärer russischer Truppen zeugten. So hatten sich einerseits Soldaten “verirrt” und waren in die Hände ukrainischer Truppen gefallen. Andererseits finden seit dem Beginn des Kriegs in der Ostukraine immer wieder heimliche Begräbnisse in verschiedenen Regionen Russland statt.

Moskau hat seither kurzerhand alle russischen Soldaten an der ukrainischen Front zu “Freiwilligen” erklärt. Vor kurzem enthüllte der “Kommersant”, dass man dazu übergegangen ist, russische Wehrpflichtige “offiziell” aus dem Wehrdienst zu entlassen, um sie danach als “Freiwillige” in die Ostukraine zu schicken. Auch dort wird ihre Anwesenheit vor den Medien verheimlicht, und vor den Kameras treten nur “Aufständische” aus der Region auf.

Ansonsten hüllt sich das Verteidigungsministerium in Schweigen – eine offizielle Anfrage der Petersburger Soldatenmütter über die Fälle von möglichem Zwang zum Kriegsdienst wurde bisher weder bestätigt noch zurückgewiesen. So bleibt weiterhin im Dunkeln, ob und wer wen gegen wen in der Ostukraine verteidigt. “Tag des Vaterlandsverteidigers” mit bitterem Nebengeschmack.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold