Kommentar: Absturz der Boeing 777 im ukrainischen Bürgerkriegsgebiet

(Von Kai Ehlers) Die Fakten sind bereits rund um die Welt gegangen. Das  kann hier kurz gehalten werden. Im Bürgerkriegsgebiet der Ukraine ist eine Boeing aus 10-000 Kilometer Höhe abgestürzt. Alle 298 an Bord befindlichen Menschen sind tot. Die Ursache des Absturzes ist bisher unbekannt. Gegenseitige Beschuldigungen über einen vermuteten Abschuss der Maschine seitens der einen oder der anderen der kriegführenden Parteien in der Ukraine und sonstige wilde Spekulationen schießen ins Kraut, bevor noch irgendwelche Fakten aus dem Flugschreiber ausgewertet werden konnten. Der ukrainische Präsident Poroschenko sprach sofort von einem terroristischen Anschlag. Kiewer Regierungsmitglieder beschuldigen die Separatisten, diese weisen die Vorwürfe von sich und geben sie zurück an die Kiewer Regierung. Von amerikanischer Seite melden sich Stimmen, die einen Abschuss durch russisches Militär vermuten. Von russischer Seite wird dies als absurd zurückgewiesen.

Dies alles geschieht ohne reale Fakten. Ich möchte mich an diesen Spekulationen nicht beteiligen. Ich halte es für sinnlos, das ohnehin schon vergiftete Klima zwischen den Bürgerkriegsparteien in der Ukraine, ebenso wie in den internationalen Beziehungen durch Spekulationen ohne reale Basis weiter anzuheizen.

Was die Ukrainische Bevölkerung braucht, um zu einem Ende des Bürgerkriegs zu kommen, was die Welt braucht, um den Propagandakrieg um die Ukraine nicht noch weiter zu verschärfen, sind Tatsachen zu dem Unglück, die letztlich allein aus einer Untersuchung des Flugschreiber gewonnen werden können.

Zu fordern ist daher eine Untersuchung des Flugschreibers durch eine neutrale Organisation, durch eine Gruppe der OSZE, vielleicht auch der Vereinten Nationen. Keinesfalls darf der Flugschreiber von einer der Konfliktparteien allein ausgewertet werden, weder von den Donezker Aufständischen, noch von der Kiewer Regierung, noch durch russische oder amerikanische Spezialisten, auch nicht durch solche der Europäischen Union, kurz durch keine der an den Konflikten in der Ukraine direkt oder indirekt beteiligten Kräfte.

Ich fordere Leserinnen und Leser hiermit auf sich ihren Möglichkeiten nach dafür einzusetzen, dass unsere Regierung eine solche neutrale Untersuchung fordert. Ein entsprechender Antrag im Parlament dürfte angebracht sein.

Kai Ehlers, www.kai-ehlers.de

Über den Autor

Kai Ehlers
Selbstständiger Forscher, Buchautor, Presse- und Rundfunkpublizist. Mit Vorträgen, Seminaren, Workshops und Projekten bei Bildungsakademien, freien Trägern, politischen Gruppen in Deutschland und Russland tätig. Schwerpunkt liegt auf den Wandlungen im nachsowjetischen Raum und deren lokalen wie auch globalen Folgen.