Kogalymavia hebt vorerst nicht mehr ab

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Mit fünf A321-200-Maschinen, einem Airbus also, war die russische Fluggesellschaft Kogalymavia aus dem Westen Sibiriens am Start. Und dann das Unglück, dass gestern eine dieser Maschinen quasi ein jähes Ende fand. Angeblich mittig auseinander gebrochen, mitten in der Luft. Das Ende vom Lied: Ein schreckliches Fatal in der russischen Zivilluftfahrt.

Auseinandergebrochen, abgestürzt, am Boden zerschellt. Peng, einfach so. Was sich anhört wie ein beim Abwasch zerbrochener Suppenteller, kostete 224 Menschen das Leben. Denn, es war kein zerdeppertes Porzellan, sondern ein stattliches Flugzeug, besetzt mit Passagieren und Besatzung. Und während ein heruntergefallener Suppenteller zwar ärgerlich ist, ist das bei einem Flugzeug, gelinde gesagt, eine schmerzliche Tragödie. Irgendwer hat die, obwohl es den Opfern und deren Angehörigen jetzt auch nicht wirklich weiterhilft, zu verantworten.

Nachdem sich allmählich herauskristallisiert, dass die Besatzung offensichtlich soweit im Vollbesitz ihrer Kräfte war und vermeintliche Terroristen nur auf den Putz gehauen haben, steht letztlich wohl nur der technische Zustand des Ferienfliegers zur Disposition. Angeblich sei das Flugzeug, obwohl schon 18 Jahre alt, auf Herz und Nieren geprüft worden. Eigentlich mag man sich auf so etwas normalerweise verlassen. Allerdings sei diese Kontrolle unmittelbar vor dem Start in Scharm al-Scheich ausgeblieben, da so etwas nur auf ausdrücklichen Wunsch der Fluggesellschaft oder der Mannschaft geschehe.

Das teilte zumindest ein Sprecher der zuständigen Fluggesellschaft Kogalymavia aus Westsibirien gegenüber der Presse mit. Als Konsequenz verhängte nun die zuständige russische Verkehrsbehörde Rostransnadzor ein Startverbot für alle fünf Airbusse der Gesellschaft. So berichtet jedenfalls die russische Agentur Interfax. Damit dürften die Kontrollen um ein Vielfaches strenger als bisher ausfallen.

Auch wenn diese Nachkontrollen weder die Toten wieder lebendig machen können, noch den Schmerz der Hinterbliebenen lindern werden, mögen sie dennoch vielleicht dazu beitragen, künftig derartige Katastrophen weiter auszuschließen. Denn, eigentlich ist jeder technische Defekt auch auf menschliche Nachlässigkeit zurückzuführen.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.