Koch-Metschnikow-Forum – Ein Kind des Petersburger Dialogs wurde erwachsen

Im Jahr 2012 wurde Prof. Dr. med. Helmut Hahn (Mitte) als ausländisches Mitglied in die Russische Akademie der Medizinischen Wissenschaften aufgenommen. Foto © KMF

Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland im Bereich Medizin funktioniert weitgehend außerhalb der Sanktionen. Auch beim diesjährigen Petersburger Dialog in Berlin wurde in der Arbeitsgruppe Gesundheit darüber geredet, welche Möglichkeiten der Kooperation es gibt. Diesmal ging es um ärztliche Fortbildung, Telemedizin, Prophylaxe bei Infektionskrankheiten und nicht infektiösen Erkrankungen und die Entwicklung der internationalen Zusammenarbeit in der Medizinforschung.

Für Prof. Dr. med. Helmut Hahn, Vorsitzender des Koch-Metschnikow-Forums (KMF), waren die Themen der Veranstaltung allerdings zu breit gestreut. „Ich hätte mir gewünscht, dass wir mehr über konkrete Projekte zum Hauptthema antimikrobielle Resistenz diskutiert hätten, die bei der WHO ganz oben auf der Agenda steht und sogar zum Auslöser einer „globalen Gesundheits-Krise“ erklärt wurde. Auch bei der nächsten UN-Vollversammlung im kommenden Jahr werden Antibiotika-Resistenzen auf der Tagesordnung stehen. Im August wurde auf einer Tagung in Budapest Russland angezählt, weil es die Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation dazu noch nicht erfüllt hat. Die russischen Kollegen erhoffen sich in dieser Frage Unterstützung gerade von deutscher Seite.“

Das Koch-Metschnikow-Forum, dem Hahn vorsteht, leistet in der medizinischen Zusammenarbeit mit Russland seit Jahren Pionierarbeit. Dieser gemeinnützige Verein wurde 2006 auf dem Petersburger Dialog gegründet und hat inzwischen 14 Sektionen, wie eHealth, Endokrinologie und Diabetologie, Klinische Pharmakologie, Mutter und Kind, Onkologie oder öffentliche Gesundheitsfürsorge. Ein wichtiges Thema waren von Anfang Tuberkulose und Mikrobiologie, nicht zuletzt, weil dies Hahns beruflicher Hintergrund war. Unter seiner Leitung wurden bereits zahlreiche deutsch-russische Gesundheitsprojekte realisiert und intensive Verbindungen mit medizinischen Hochschuleinrichtungen in Russland, von St. Petersburg bis Irkutsk, aufgebaut. Für seine Verdienste wurde Professor Hahn in diesem Jahr anlässlich seines 80. Geburtstages auf dem 11. wissenschaftlichen Tuberkulose-Symposium im März in Berlin mit der Medaille des russischen Außenministeriums „Für den Beitrag zur internationalen Zusammenarbeit“ geehrt.

Auch in der Weiterbildung von medizinischen Fachkräften in Russland engagiert sich das KMF. Im August wurde in Irkutsk eine internationale Ärzte-Fortbildungs-Akademie gegründet, an der neben der russischen Staatlichen Akademie für ärztliche Fortbildung das Koch-Metschnikow-Forum von deutscher Seite, außerdem Universitäten aus China, Japan, Südkorea und der Mongolei beteiligt sind.

Für das kommende Jahr ist eine vom KMF organisierte deutsch-russische Tagung in Kaliningrad zum Thema Moderne Stammzellentechnologie und -therapie geplant. Im März wird das bereits 12. Internationale Tuberkulose-Symposium in Berlin stattfinden, im Monat darauf tagt die Arbeitsgruppe Gesundheit des Petersburger Dialogs in St. Petersburg zur Rehabilitationsmedizin. Im Vorfeld wird bereits Anfang Dezember eine große Delegation aus den Kurorten im Nordkaukasus nach München kommen, um die Möglichkeiten einer Partnerschaft mit der Bäder-Region in Bayern auszuloten.

„Mit dem Petersburger Dialog begann vor elf Jahren die Erfolgsgeschichte des Koch-Metschnikow-Forums. In dieser Zeit hat sich mit den russischen Kollegen in unserer Gesellschaft und den Partnereinrichtungen eine ergiebige, weil sachorientierte Zusammenarbeit entwickelt, aus der auch persönliche Freundschaften entstanden sind“, stellt Professor Hahn fest.

[Hartmut Hübner/Russland.news]

Über den Autor

Hartmut Hübner
Gelernter und sogar diplomierter Journalist. Nachdem ich im Ergebnis einer Fahrt auf einem Riesenrad von meinem ursprünglichen Wunsch, Pilot zu werden, endgültig Abschied genommen hatte, beschloss ich als, „rasender Reporter“ aus der ganzen Welt zu berichten. Als „Mittagspausen-Notenkoch“ im Schulfunk und Volontär bei der Berliner Zeitung „Junge Welt“ begann meine journalistische Karriere, die sich nach dem Studium als Verantwortlicher für eine Zeitung im sächsischen Gesundheitswesen, Pressesprecher an der Leipziger Sporthochschule DHfK und Redakteur an der Leipziger Volkszeitung fortsetzte, bis ich mir einen Kindheitstraum erfüllte und ein freies Korrespondentenbüro in Moskau übernahm. Das war 1995 – und seither lässt mich Russland nicht mehr los.