Kiribati will keinen Zaren

Foto: mobinovyc CC0 Public Domain via Pixabay
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Die Pläne eines russischen Oligarchen, im Pazifik ein neues Zarenreich zu errichten, wurden fürs Erste verworfen. Obwohl die Gespräche dazu schon länger anhielten und auch die touristische Vermarktung des Eilands in Aussicht gestellt wurde, hat nun die Regierung Kiribatis dankend abgelehnt.

Ein Zarenreich auf Kiribati – das bedarf zunächst einer Erklärung. Ein Blick in den Atlas zeigt, dass Kiribati weder etwas mit Russland, geschweige denn mit den ehemaligen Zarenresidenzen St. Petersburg oder Moskau, gemeinsam hat. Die Fahne des Staates weht stattdessen auf einer Inselgruppe Mikronesiens und Polynesiens, die weit verstreut inmitten der Südsee liegt. Von Westen nach Osten misst Kiribati über 4.500 Kilometer bei einer Gesamtfläche von rund 5,2 Millionen Quadratkilometer. Davon hat man allerdings nur auf 811 Quadratkilometer festen Boden unter den Füßen, der Rest ist Wasser.

Der Inselstaat liegt mittig zwischen Australien und Hawaii, das Flugzeug braucht von Fidschi oder Hawaii rund 4,5 Stunden nach Kiribati. Hügel oder gar Berge gibt es allerdings, abgesehen von einem 81 Meter hohen Vulkan, nicht. Durchschnittlich ragt das Land lediglich zwei Meter aus dem Meeresspiegel und leidet massiv unter dem Klimawandel. Einen russischen Investor lockte die Idee, drei der Inseln touristisch zu vermarkten. 330 Millionen Euro sei ihm das Vorhaben wert gewesen wird kolportiert. Allerdings war seine Investition mit einem persönlichen Anliegen verknüpft.

Neuer Zar stammt aus Deutschland

Anton Bakow, ein 51-jähriger Geschäftsmann, den man zu den ersten privaten Unternehmern der postsowjetischen Ära zählen darf, die ihr Geld legal verdienten, saß von 2003 bis 2007 als Gouverneur des Oblast Swerdlowsk in der Staatsduma. Seit 2012 ist er Vorsitzender der russischen „Monarchistenpartei“, die sich für ein reformiertes neues Zarenreich einsetzt. Mit dem deutschen Adligen Prinz Karl Emich zu Leiningen, einem entfernten Verwandten des Zaren Alexander II., stünde schon ein Nachfolger des von den Kommunisten ermordeten letzten Zaren der Linie Romanow, Nikolaus II., bereit.

Der 64-jährige Monarch im Wartestand hat sich für den Titel „Nikolaus III.“ entschieden und lässt sich huldvoll auch so nennen. Auch wenn ihm noch seine Untertanen fehlen, sind sich der Prinz und Vorsitzender Bakow einig, dass gerade mit Kiribati die beste Wahl getroffen worden sei. Geplant war auch in die Infrastruktur zu investieren. Schulen, Krankenhäuser und Häfen, alles natürlich mit Solarenergie gespeist, denn die Sonne scheint auf Kiribati im Schnitt 7,5 Stunden am Tag. Der ganze Stolz des Zarenstaates sollte die „Universität des Russischen Reichs“ werden. Von etwa 1.000 neu zu schaffenden Arbeitsplätzen war die Rede.

„Mein Ziel ist, den Status der Romanow-Dynastie wiederherzustellen, der 1917 verloren gegangen ist“, sagt der 51-Jährige, der heute zu den größten Landbesitzern im Uralgebiet gehört. Bakow ließ Die Monarchistische Partei der Russischen Föderation 2012 beim russischen Justizministerium registrieren und schart mittlerweile immer mehr Anhänger um sich, die zur Gemeinsamkeit haben, unglücklich mit der Regierung des russischen Präsidenten Wladimir Putin zu sein. Das „neue Russische Reich“, Imperial Throne, ist freilich nur eine von vielen Mikroorganisationen, die ohnehin nicht international anerkannt sind.

Man kann sagen, dass die Entscheidung, wie von der Zeitung „Papua New Guinea Today“ vermeldet, quasi im Handumdrehen gefällt wurde. Ein Portugiese, der wegen des Besitzes von Marijuana verhaftet wurde, wartete dagegen monatelang auf seinen Prozess, da es weder Anwälte noch einen Richter auf Kiribati gibt. Obwohl der Inselstaat mit seinen etwas mehr als 100.000 Einwohnern zu den ärmsten Ländern der Welt zählt, entschied sich eine Prüfungskommission nun gegen die Pläne Bakows. Die Kommission kam zu dem Schluss, dass das Angebot „nicht positiv“ bewertet werden könne.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.