KinoPoisk Filmmarkt – ein Einblick in Russlands aktuellste Trends der Filmszene

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Von Maria Thiele -Der KinoPoisk Filmmarkt steht seit diesem Oktober neu auf Moskaus Eventplan. Eine erfrischende Mischung zwischen Filmfestival und Filmmarkt, nur offener, energetischer und interaktiver. Hier, ein Überblick über Neuheiten des Filmmarktes und der russischen Filmszene.

Erstmalig wurde dieses Jahr vom 20. bis 23. Oktober der KinoPoisk Filmmarkt im Multiplex- Kino „Oktober“ in Moskau veranstaltet. Produziert wurde der Filmmarkt von KinoPoisk, einer der größten russischen Online-Filmplattformen, Tvindie Film Production und Reflexion Films. Insgesamt mehr als 8000 Teilnehmer, darunter normale Kinobesucher als auch Experten aus der Filmindustrie, besuchten den KinoPoisk Filmmarkt. Die etwa 1000 Experten aus der Filmindustrie kamen vor allem aus Russland, China, Indien, Frankreich, Italien, Weißrussland und Estland, aber auch einige deutsche Unternehmen waren vertreten.

Ein Hingucker gleich zum Veranstaltungsauftakt

Highlights der Veranstaltung gab es gleich zu Beginn. So wurde zur Eröffnung des Filmmarktes die Moskau-Premiere des Films von Xavier Dolan „Einfach das Ende der Welt“ vorgeführt.

Für große Begeisterung bei konventionellen Kinobesuchern als auch bei Vertretern der Filmindustrie sorgte im Verlauf der Veranstaltung das speziell angefertigte Programm „Okober screenings“ mit weiteren Highlights. Darunter die Vorführung von Vitaly Manskys „Unter dem Strahl der Sonne“, ein Dokumentarfilm über das Leben eines achtjährigen Mädchens in Nordkorea, „Jacques Entdecker der Ozeane“ ein Spielfilm über das Leben und die Reisen des berühmten Jacques-Yves Cousteau und „Die Bahn nach Busan“ ein spannungsgeladener, actionreicher, lustiger, und zugleich rührender Zombiefilm.

Auch die russische Filmszene glänzte dabei mit „Stalker“, einem restaurierter Klassiker von Andrei Tarkovsky, der nun das erste Mal auf der größten Leinwand Russlands im Multiplex- Kino „Oktober“ vorgeführt wurde, „Eisbrecher“, einen mitreißenden und effektvollen Katastrophenfilm, „Der Hit“, die Geschichte zweier junger Frauen, die aus der Provinz nach Moskau ziehen und nach Erfolg streben und „Anomie“, ein Film, der eine sehr enge Freundschaft und dessen fatales Ende zeigt.

Für Besucher des KinoPoisk Filmmarktes gab es all diese Filme schon jetzt zu sehen, wobei die meisten offiziell erst frühestens gegen Ende diesen Jahres in russischen Kinos vorgeführt werden.

KinoPoisk Filmmarkt – die neue Plattform für den Austausch der russischen und internationalen Filmindustrie

In Zukunft soll der KinoPoisk Filmmarkt eine Plattform bilden, um russische Filme und internationale Interessenten besser miteinander zu verknüpfen.

„Wir wissen alle, dass andere Filmmärkte, ich würde sagen, ein bisschen veraltet sind. Der Filmmarkt produziert durch KinoPoisk ist jedoch ein bisschen frischer, aktiver und interaktiver.“ sagte Mary Yuvit, Produktionsleiterin bei Utopia Pictures, einer der wichtigsten Vertriebsfirmen für Kurzfilme in Russland.

Igor, ein begeisterter Kinobesucher kam zum Festival um mit seinen Freunden die neuesten Filme sehen und diskutieren zu können: „Ich habe hier ziemlich viele Leute aus Estland, Litauen und aus Russland kennengelernt. Ich bin ziemlich glücklich darüber, weil ich so verschiedene Perspektiven erfahren konnte nicht nur die von den Filmen selbst, sondern auch von den Menschen, die sie kreiert haben. Das war durchaus interessant.“

Alexander Kochubey, Vorsitzender von KinoPoisk sieht in dem KinoPoisk Filmmarkt eine neue Perspektive für die russische Filmszene: „Es gibt im Moment keinen Ort in Russland, wo neue Inhalte zu ausländischen und auch zu russischen Investoren präsentiert werden können. Es war daher eine gute Idee einen neuen Ort zu schaffen, der das breite Publikum anspricht – Kinobesucher und Experten von der Kinofilmindustrie.“

Neues aus der russischen Filmszene

Neben den Screenings mehr oder weniger bekannter Filme in acht verschiedenen Räumlichkeiten, wurden auf dem KinoPoisk Filmmarkt in Pitchings neue Projekte vorgestellt und bei zahlreichen Round-Tables lebhaft diskutiert. Aktuelle Themen bezogen sich auf die zukünftige Entwicklung des russischen Filmmarktes, als auch auf die Finanzierung und die Förderung internationaler Koproduktions- und Vertriebsmöglichkeiten.

Aus den Diskussionen gingen viele positive Neuigkeiten für die russische Filmindustrie hervor. Der Stellvertreter der Indischen Botschaft in Moskau verkündete die anstehende Gegenzeichnung der Kooperationsverträge zwischen Indien und Russland. Diese dienen der Erweiterung und der Förderung beider Filmindustrien.

Auch wurden die langjährigen Kooperationen zwischen der russischen und der französischen Filmindustrie und zu Eurimage intensiviert sowie die Förderung des Vertriebs russischer Filme auf dem chinesischen Markt diskutiert.

„Für die Chinesen“ sagte Charles Lei, Gründer und Geschäftsführer von Thunder Communications International „sind vor allem zwei Arten von Filmen am wichtigsten: Das eine ist Action natürlich. Jeder liebt Action. Also entweder ist es ein großer Kriegsfilm mit tausenden Menschen, die den Berg runterrennen und sich gegenseitig töten – solche Filme sind immer gut, wie Tarus Bulba (!) – oder es ist ein guter Familienfilm. Ich suche auch nach Filmen mit Hunden und Katzen, gute Familienfilme eben“.

Für die interne Entwicklung des russischen Filmmarkes war vor allem die Neuigkeit, dass regionale russische Filme vor allem aus den Regionen Jakutien, Burjatien und Jekaterinburg an Bedeutung gewinnen. Ein Programm von Filmen aus diesen Regionen wurde ebenfalls auf dem KinoPoisk Filmmarkt angeboten. Gindilis kommentierte dazu: „Es ist ein sehr guten Zeichen, dass Filme nicht nur in Moskau und St. Petersburg gemacht werden.“

Desweiteren wurde aus der technischen Perspektive über Neuheiten in der Filmindustrie diskutiert. Spannend für alle Beteiligten war dabei der „Digital Summit“, eine Präsentation von Kurzfilmen, die mit der neuesten 360°-Technologie produziert wurden. So war es beispielsweise möglich über die Dächer von Donetsk zu schweben und sich ein Bild der Rückstände der vom Krieg zerstörten Region Donbass zu vergegenwärtigen.

Zu guter Letzt sorgte die Neuigkeit über den Verkauf einiger russischer Animationen an die Walt Disney Company für Freude bei den russischen Besuchern. „Unsere russischen Animationsfilme haben ein neues Level erreicht“ kommentierte dazu Kochubey.

Unterstützung der russischen Filmszene

Doch auch in der russischen Filmszene gibt es ein paar Schwierigkeiten. Eines der Hauptprobleme besteht darin für Filmprojekte finanzielle Unterstützung und Vertriebsmöglichkeiten zu finden, vor allem im Ausland.

„Grenzen werden der Verbreitung von russischen Filmen vor allem durch den Mangel an englischsprachigen Personal in der (russischen) Filmindustrie und durch den Mangel an Staatsfinanzierung für Koproduktionen gesetzt.“ erklärte Gindilis „Wir haben verschiedene aus Russland stammende Filme, aber all diese Filme brauchen Unterstützung und Werbung.“

Dabei weißt er ebenfalls auf Filmprojekte bekannter Regisseure wie Aleksey Mizgirev, Yuri Bykov und Andrei Tarkovsky hin, dessen Filme zahlreiche internationale Preise erhielten, jedoch vom Kulturministerium Russlands keine finanzielle Unterstützung erhalten haben.

Mit dem KinoPoisk Filmmarkt die Zukunft der russischen Filmindustrie auf die internationale Bühne heben

Der KinoPoisk Filmmarkt hat mit seinem Vorhaben klare Linien für die russische Filmindustrie gesetzt.

„Dieser Filmmarkt wird die russische Filmindustrie in eine internationale Richtung entwickeln.“ konstatierte Gindilis abschließend „Wenn wir diese Plattform beibehalten, wird es drei, fünf oder ein paar mehr Jahre dauern und dann werden russische Filme natürlich mehr Bedeutung im Ausland haben.“

„Ich finde diese Art Initiative sehr positiv, weil sie die Situation viel offener, transparenter und kooperativer macht und das ist genau das, was wir in unserer Produktion brauchen.“ sagte Tatiana Daniliyants, eine Filmemacherin, Produzentin und Regisseurin aus Russland. Nicht nur wurde ihr neuer Film „Six Musiciants and the City“ auf den KinoPoisk Filmmarkt vorgeführt und erhielt positives Feedback von Experten, sie fand auch endlich einen Armenischen Kooperationspartner.

Nächstes Jahr wird der Filmmarkt auf jeden Fall wieder stattfinden, und das laut Gindilis sogar mit einem noch umfangreicheren Programm für das normale Kinogängerpublikum.