Kindermöbel für echte Vaterlandverteidiger

Abbildung: carobus.netAbbildung: carobus.net
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„Wie man sich bettet, so…“, nein halt. Diesmal geht es um die Kleinen. Ein pfiffiger russischer Kindermöbelhersteller hat sich etwas ganz Originelles ausgedacht. Kindermöbel, die das Kinderzimmer thematisch gestalten. Unter anderem auch in einen Fuhrpark, der unweigerlich an alle Kriege dieser Welt erinnern lässt.

Stockbetten in Form eines Piratenschiffes, Kindertischchen mit Disney-Figuren – an all das hat man sich mittlerweile gewöhnt. Mit der Bettwäsche in den Farben und dem Logo seines Lieblingsfußballvereins können selbst Erwachsene wieder zu Kindern werden, alles ein alter Hut also. Dass man ein Kinderzimmer jedoch genauso gut in ein Manövergelände verwandeln kann, das war uns allerdings neu.

Ja gut, so manche kindliche Freude lässt, wenn man ihr ungebremsten Lauf gewährt, ein Kinderzimmer schon einmal eher an ein Schlachtfeld erinnern, denn an einen Raum, in dem sich der Nachwuchs auf das Großwerden vorbereiten soll. Die St. Petersburger Firma CaroBus hat sich nun zur Aufgabe gemacht, dem ganzen Tohuwabohu noch das passende Outfit hinzuzufügen. Die Aufgabenverteilung innerhalb der Familie sollte damit geklärt sein. Der Vater erzieht den Sprössling zum Patrioten und Muttern räumt die Trümmer weg.

Wie wird der Bub zum Mann

Aber wir waren anfangs beim Bett. Hier bietet uns die Firma CaroBus gleich drei Modelle zur Auswahl.. Zum einen wäre da das Motorrad mit Seitenwagen der Marke Ural. Des weiteren der Panzer Patriot und, aufgepasst, der durch den Abschuss der Maschine MH-17 über der Ostukraine ins Gerede gekommene, Buk M-1 Launcher. Jedes dieser Modelle im stylischen Tarnfleck mit Hoheitsabzeichen hat Matratzenmaße von 80 mal 140, beziehungsweise 170 Zentimetern und verfügt über einen geräumigen Stauraum unter der Auflage.

Preislich liegen die Schlaf-Fahrzeuge bei rund 135 Euro für die Ural bis hin zu nicht ganz 160 Euro für Panzer oder Flugabwehr. Das entsprechende Nummernschild mit dem Namen des künftigen Vaterlandverteidigers gibt es natürlich gratis dazu. Abgerundet wird das Ensemble schließlich durch die dazu passende, ebenfalls in Camouflage-Anstrich gehaltene, Kommode, respektive einen ebensolchen Kinderschrank. Laut der Firmenleitung fände die Serie „Die zukünftigen Verteidiger des Vaterlandes“ regen Anklang bei den Kunden.

Anton Koppel, der Chef der Firma, sehe auch nichts Verwerfliches in seinen Betten, wie er erklärte. „Manche Kinder wollen Ärzte werden, andere Banker und manche eben Soldaten.“ Zudem, so ist es den Produktangaben zu entnehmen, würden Jungs, ganz im Gegensatz zu den Mädchen, ohnehin zur maritimen, beziehungsweise militärischen Autothematik tendieren. Des Weiteren trage sie ihre Phantasie hin zu den gefährlichen Veranstaltungen, bei denen sie sich als Helden stark, mutig und entschlossen fühlen könnten. Das fördere bei den Buben die Entwicklung der Männeridentität.

Was nach pädagogischen Maßstäben hierzulande undenkbar wäre, sehen da die Russen ein wenig anders. Dort gilt er noch etwas, der starke Mann, der furchtlose Retter seiner Ehre. Dem westlichen, pazifistisch orientierten, Erziehungsstil etwas positives abzugewinnen, käme dem Russen gar nicht erst in den Sinn. Spielzeugwaffen aus den Kinderzimmern zu verbannen, dem Spross die Plastik-Kalaschnikow vorzuenthalten – ja wo kämen wir da denn hin?

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.