Juschtschenko … schon mal gehört?

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In der Krise werden bekanntlich die Karten neu gemischt. Und wer in Zukunft mitmischen will, muss sich bekanntlich melden und das möglichst geschickt – nicht zu laut und nicht zu leise und nicht den falschen Leuten auf die Füße treten..

So geschehen vor ca. einer Woche: Da meldet Irina Vannikova, die Pressesprecherin des vor-vor-vergangenen Präsidenten der Ukraine, Viktor Juschtschenko – man erinnere sich: Orangene Revolution, extremer ukrainischer Nationalist und Feind alles Russischen –, auf der Website des jetzigen Präsidenten Poroschenko sei der Vorschlag eingegangen, besagten Ex-ex-Präsidenten Juschtschenko zum Chef der ukrainischen Zentralbank zu machen.

„Zwischen 1993 und 1999 war Juschtschenko schon einmal Leiter der Nationalbank. Unter seiner Führung wurde eine Währungsreform durchgeführt und die Staatskasse reformiert. Im Jahr 97 wurde er von der Zeitung Global Finanz unter die 5 weltbesten Banker gekürt. Mit seiner Erfahrung und seinem Wissen kann Juschtschenko die ukrainische Wirtschaft entwickeln und die nationale Währung stärken.“

Juschtschenko ging auf diesen Vorschlag nicht weiter ein, tat aber seine Meinung zur jetzigen Krise kund.
Die Verantwortung für die jetzige Krise, die nicht nur die politische Sphäre paralysiere, trage allein die herrschende Partei. Die jetzige Krise sei die tiefste und seit Anfang der 90er Jahre auch die hoffnungsloseste. Die Verantwortung für das, was heute geschieht, liegt bei der politischen Koalition, bei den Parteien der Macht, sagte er der ukrainischen Zeitung Segodnya. Den heutigen Politikern fehle es nicht an Wissen, sondern am Dialog auf allen Ebenen.

„Wenn ein Krieg tobt und die Schattenwirtschaft bei 55 % liegt, so liegt das nicht an einem Mangel an jungen Menschen, deren Herz für die Ukraine blutet, es ist der Abbau von nationalem Geist. Wenn unsere Währung in eineinhalb Jahren 350 % an Wert verliert, so ist das eine zweite Kriegsfront.“

Am 17. Februar hatte sich die Partei Batkivshchyna (Vaterland, Julja Timoschenko) aus der Koalition im Parlament zurückgezogen. Am 18. Februar folgte die Partei Samopomich (Self Reliance). Nun hat die regierende Koalition nur noch 217 Stimmen bei notwendigen 226. Der Block Petro Poroschenko und Premierminister Arsenij Jazenjuk Volksfront versuchen jetzt, eine neue Mehrheit mit Unterstützung der Radikalen Partei zu schaffen. Jedoch will die Partei des Präsidenten den Premierminister Jazenjuk loswerden. Doch weder Jazenjuk noch seine Partei sind damit einverstanden. Experten tippen auf vorgezogene Parlamentswahlen in der Ukraine.
(Hanns-Martin Wietek/russland.ru)

Über den Autor

Hanns-Martin Wietek
Arbeitet als freier Publizist für russische Literatur und Geschichte für verschiedene Medien. Literaturkritiker für buechervielfrass.de und russland.RU. Seit 2003 bei russland.RU zuständig für Kunst und Kultur und stellt russische Künstler vor.