John Kerry goes shopping – auf dem Arbat

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Moskau – Am Rande seines offiziellen Aufenthalts zu Fragen und Problemen der Weltpolitik in Moskau erledigte US-Außenminister John Kerry gleich seine Weihnachtseinkäufe. Mit umgerechnet fast 500 Euro unterstützte er den, durch die Politik seines Landes arg gebeutelten, russischen Einzelhandel.

Wie viel dem amerikanischen Außenminister seine Lieben zuhause wirklich wert sind, wissen wir natürlich nicht. Aber aus gut informierten Kreisen, einem Ladenbesitzer auf dem Moskauer Arbat, kam ans Licht, dass Kerry ganze zehn Minuten für deine Shopping-Tour benötigte. Wertvolle Minuten im Alltag eines Weltpolitikers, aber schließlich ist ja Weihnachten.

Auch über die Summe der eingekauften Artikel, nämlich 35.000 Rubel, wissen wir erstaunlich gut Bescheid. Ebenso über seine Begleitung. Denn, so dachte sich wohl Herr Außenminister, alleine shoppen ist langweilig. Deshalb holte sich John Kerry tatkräftige Unterstützung mit ins Boot, bevor er sich in den Moskauer Weihnachtstrubel stürzte.

Typisch russisch eben

Als Ortskundigen konnte er sich voll und ganz auf den US-Amerikanischen Botschafter in Moskau, John Tefft, verlassen, der ihn glatt in einen typischen Touristenladen schleppte. Kerrys Stellvertreterin, die amerikanische Vize-Außenministerin Victoria Nuland, durfte ihm als Shopping-Queen mit Rat beseite stehen. Sie sehen, am Arbat bleibt nichts unbemerkt und der Nachrichtenfluss funktioniert vorbildlich – Moskau eben. Wobei wir fairerweise sagen sollten, dass der Hauptinformant dieses Shopping-Thrillers Will Stevens war. Der ist seines Zeichens der Sprecher der US-Botschaft in Moskau und besitzt einen Twitter-Account. Danke Will!

Und nun sind Sie vermutlich genauso gespannt, was es nun zur Bescherung im Hause Kerry geben wird, wie wir es waren. Auch hierüber können wir Ihnen, dank IM-Ladenbesitzer, Licht in die vorweihnachtliche Dunkelheit bringen. Eigentlich hätte er sich besonders für russisches Geschirr aus Gschel, einer Hochburg der typisch russischen Keramik, interessiert, so heißt es. Aber Sie wissen es selbst, mitunter schwenkt man selbst im Weihnachtstrubel um. Und außerdem wissen wir nicht, wieviel Porzellan bei den Kerrys schon zerschlagen wurde. Das kommt schließlich in den besten Familien vor.

Nun gibt es stattdessen für die Enkel T-Shirts mit russischen Symbolen, sowie drei flauschige Sockenpuppen in russischer Tracht. Seine Frau wird offenbar mit einer Mütze aus Eisfuchs-Pelz bedacht und vielleicht bekommt sie ja auch einen der beiden Bernsteinringe, die der Herr Außenminister noch mit in seinen Warenkorb legte. Und was bei einem Einkaufsbummel in Russland natürlich überhaupt nicht fehlen darf, ist die Matrjoschka. Berühmt berüchtigt, so richtig russisch wie Bär, Balaleika und Wodka.

Aber, und da bitten wir Sie jetzt ganz inständig darum, verraten Sie um Himmelswillen nichts von unseren Insider-Informationen, die Sie nun ganz exklusiv erfahren haben. Wir wollen doch alle nicht den Kerrys ihre Weihnachtsüberraschung verderben. So gemein sind wir ja dann doch nicht…

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.