Joghurt-Kühe für Russland setzen Sanktionen Hörner auf

Der französische Lebensmittelhersteller Danone will seine Molkereiprodukte weiterhin gewinnbringend in Russland produzieren. Um Produktionskosten einzusparen, sollen jetzt eigene Kühe nach Sibirien gebracht werden. Damit reagiert der Konzern auf die steigenden Milchpreise in Russland seit Beginn der verhängten EU-Sanktionen.

„Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt…“, frei nach dem biblischen Zitat will der französische Molkereiprodukte-Produzent 5.000 Holstein-Rinder aus Deutschland und den Niederlanden auf einen landwirtschaftlichen Betrieb in der Nähe der sibirischen Stadt Tjumen bringen lassen. Die Milchkühe werden bei dem LKW-Transport eine Reise von gut 4.500 Kilometer über sich ergehen lassen müssen, bis sie ihren künftigen „Arbeitsplatz“ erreicht haben, teilte Charlie Cappetti, der Leiter von Danone-Russland dem US-Nachrichtenmagazin Bloomberg mit.

Seit Russland im August 2014 seine Gegensanktionen auf Lebensmittel aus der Europäischen Union verhängte, ist der Milchpreis beständig angestiegen. Laut Cappetti seien es im Jahr bereits 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Die Milchpreise steigen beständig“, sagt der Russland-Chef von Danone, „das bringt Produkte wie Joghurt unter Druck.“ Die eigens für den Konzern importierten Kühe sollen deshalb die Produktionskosten senken. Bis Ende September sollten alle Tiere auf dem Hof eingetroffen sein, so Cappetti.

Russland bilde eine Ausnahme, erläutert der Manager, denn normalerweise investiere der Konzern nicht in die Landwirtschaft. Dieser Schritt sei jedoch unumgänglich geworden, da die Nachfrage nach Rohmilch infolge des Embargos enorm angestiegen sei. Deshalb habe man die Entscheidung getroffen, gemeinsam mit dem lokalen Produzenten Damate in einen Betrieb von 60 Hektar zu investieren. Charlie Cappetti ist der festen Überzeugung, dass die hinzugekommene Produktion in Sibirien dazu beitragen wird, das Angebot und die Nachfrage auf dem russischen Markt zu stabilisieren.

„Wir hoffen, dass der Milchpreis im kommenden Jahr weniger steigen wird“, wünscht er sich, auch wenn man bei Danone nicht mit einer schnellen Erholung der wirtschaftlichen Situation in Russland rechnet. Immerhin hätten die Verkäufe in der ersten Jahreshälfte 2017 leicht angezogen, so dass für 2018 bereits von einem steigenden Absatz ausgegangen wird. Nicht zuletzt wegen der Verstärkung aus dem Kuhstall – denn manchmal hilft es eben doch, wenn sich der Prophet zum Berg begibt.

[mb/russland.NEWS]

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Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.