J. A. Gagarin – der Bauernsohn der J. F. Kennedy weckte [Video]

Vor etwa 80 Jahren schoss die damalige Sowjetunion ihre erste Rakete mit flüssigem Treibstoff in den Himmel. Am 9. März 1934 wurde der erste „Bürger des Weltalls“ geboren – Jurij Alexejewitsch Gagarin.

Er war noch ein Stepke, als deutsche Soldaten das Haus seiner Eltern konfiszierten. Die Familie kam bis zum Ende des Krieges in einer dunklen Erdhütte unter. Psychoanalytiker werden dort den Ursprung seiner Triebkraft herbeideuteln, die ihn zwanzig Jahre später als freiwilligen Kamikaze-Flieger ins Licht des Weltalls trugen. Ohne Wissen seiner Frau und Eltern ließ er sich wie vorher Fliegen, Mäuse, Meerschweinchen und Hunde auf 20 Millionen PS festschnallen.

Falls die Geschichte stimmt, wird ihn ein anderer Vorfall mehr geprägt haben. Ein auf einer Wiese beim Dorf Kuschino in der Nähe von Smolensk notgelandeter Jagdflieger wurde von einem Kollegen in dessen einsitziger Maschine verstaut und so vor deutscher Gefangenschaft bewahrt.

Wie auch immer, im Alter von 20 Jahren tritt er bei seinem Industrietechnikum in Saratow in den örtlichen Fliegerclub ein. Schnell beherrscht er die einmotorige Jak-18. Während seiner Armeezeit sitzt er vor dem Radio der Militärfliegerschule Orenburg, als am 4. Oktober 1957 der erste Satellit Sputnik die allarroganten Amerikaner schockierte. Im Kollegenkreis zeichnet man vom Mondflug träumend Raumschiffmodelle. Eine Woche nach seiner Hochzeit fliegt die Hündin Laika mit Sputnik 2 ins All.

Längst träumte auch der Kreml von einer bemannten Raumflugpremiere. Man suchte gezielt nach Militärpiloten mit Erfahrung auf Düsenjets, aus dem europäischen Teil der UdSSR stammend und etwa 30 Jahre alt. Es ginge darum, eine „spezielle Maschine“ zu fliegen. Auch Jagdfliegeroffizier Gagarin wird gefragt.

Von 2.000 Bewerbern blieben Ende 1959 gerade zwanzig übrig, von denen weitere zehn wegen Verletzungen und Disziplinarverstößen ausfielen. Sie hatten außergewöhnlichen Gesundheit, Kühnheit, Genauigkeit, Arbeitsliebe und Bescheidenheit bewiesen. Man interessierte sich aber auch für den „Lebenslauf, für die Familie, die Kameraden und die gesellschaftliche Tätigkeit“, wie sich Jurij später erinnerte.

Erst vier Tage vor dem Start am 12. April 1961 wird der Bauern- oder Zimmermannssohn für das Himmelfahrtskommando auserkoren. Seine proletarische Herkunft schien sich besser instrumentalisieren zu lassen als die des Lehrerkindes German Stepanowitsch Titow. Fliegerische Qualifikationen spielten keine große Rolle. Alles ging vollautomatisch – man wusste nicht, ob der Kosmonaut bei Bewusstsein bliebe.

Die 108 Minuten katapultierten ihn ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit. Moskau stand Spalier, und es folgten mehr als 30 Auslandsreisen. Selbst die englische Königin wollte ihm die Hand schütteln.

Die Presse beschrieb ihn als freimütig, natürlich und optimistisch. Er formulierte im Ausland seine neuen Träume: „Ich möchte gern an einem Flug in einem Raumschiff teilnehmen, dessen Besatzung aus jungen Raumfahrern verschiedener Nationalitäten besteht, aus Russen, Indern, und Amerikanern.“

Zurück in Russland feierte er weiter. Nach einem dubiosen Sturz von einem Hotelbalkon während eines Erholungsaufenthalt auf der Krim, wurde der Held langsam abgeschirmt. Inzwischen zum Kommandeur der Kosmonautengruppe aufgestiegen, durfte er selbst nicht mehr ins All.

Man ließ ihn weder Flugzeuge steuern noch Fallschirmspringen. Dafür wurde er Deputierter des Obersten Sowjets. Aus allen Teilen der UdSSR erhielt er Bittbriefe. Gagarin spürte die Widersprüche des Systems, den Mangel im Land bei gleichzeitigem Luxus im Kreml. Trotz seiner Popularität waren ihm die Hände gebunden.

Dennoch wurde er zum Ersatzmann von Wladimir Komarow nominiert, der am 23. April 1967 mit Sojus 1 in den Orbit startete. Der Flug musste schnell abgebrochen werden, der Fallschirm zum Landen versagte. Nahe Orenburg weinte Jurij an den rauchenden Überresten des Freundes.

Danach schien ein neuerlicher Weltraumeinsatz Gagarins völlig undenkbar. Er aber drohte, die stellvertretende Leitung des Kosmonauten-Ausbildungszentrums niederzulegen. Wenn schon keine Sojus, wollte er wenigstens wieder einen Jet steuern. Fliegen sei sein Leben. Das Verteidigungsministerium willigte Ende 1967 ein. Gagarin hatte über 300 Stunden Pilotenerfahrung. Doch die jahrelange Pause vom Steuerknüppel machte Übungsflüge nötig.

Den letzten sollte der 34 jährige am 27. März 1968 absolvieren. Nach einem plötzlichen Ausweichmanöver blieb keine Zeit mehr, den Schleudersitz zu betätigen. Der Jet stürzte ab. Zwei Tage später wurde er an der Kremlmauer beigesetzt. Noch einmal erwiesen ihm Hunderttausende die Ehre. Wie sieben Jahre zuvor, als er als erster Mensch im All den Präsidenten Amerikas nicht nur um den Schlaf brachte.

[HH]

Gagarin in Kaluga – MyVideo


Gagarin´s Erben – MyVideo