Iranisches Öl für Weißrussland

Weißrussland demonstriert seine Unabhängigkeit vom großen Bruder. Es kauft Öl im Iran.

Am 22. März ist ein Tanker mit Öl für Weißrussland in Odessa eingelaufen. 80.000 Tonnen oder 600 Barrel Öl – ein Fünfundsiebzigstel von Weißrusslands Jahresbedarf – haben sich auf dem Landweg weiter nach Weißrussland aufgemacht. Es scheint kostbares Öl zu sein, denn es ist um fast 25 Prozent teurer als das vom großen Bruder. Mitnichten, die Qualität entspricht dem des russischen Öls.
Mit Wirtschaftlichkeit hat das wenig zu tun, aber es tut dem Ego Lukaschenkos gut. Demonstriert er doch dem Großen Bruder „Ich kann auch ohne dich“, auch wenn es weh tut.

Hintergrund ist, dass Weißrussland das Gas, das es von Russland bezieht, zu einem geringeren Preis als vertraglich vereinbart bekommen will. Russland war gemäß dem »Pacta sunt servanda« (Verträge müssen eingehalten werden) nicht dazu bereit. Lukaschenko machte seine eigene Rechnung auf und bezahlte nur das, was er wollte.

Im letzten Jahr einigte man sich dann brüderlich auf einen geringeren Gaspreis – jedoch nicht rückwirkend. Russland bestand auf dem geschuldeten Geld.

Nun brauchte Weißrussland wieder Öl und bestellte es wie früher immer. Russland verwies auf die Schulden und wollte diese erst beglichen haben. Lukaschenko sagte erneut „Njet“ und – ganz seinem Naturell entsprechend – „es geht auch ohne dich“.

Wie lange er das jedoch durchalten wird, ist fraglich. Denn selbst wenn er weiteres, teureres Öl aus dem Iran kauft, wird er ein Problem mit dem Transport bekommen. Die Ukraine ist mit diesen Mengen überfordert, berichtet »wsgljad.ru«.

[Hanns-Martin Wietek/russland.news]

Über den Autor

Hanns-Martin Wietek
Arbeitet als freier Publizist für russische Literatur und Geschichte für verschiedene Medien. Literaturkritiker für buechervielfrass.de und russland.RU. Seit 2003 bei russland.RU zuständig für Kunst und Kultur und stellt russische Künstler vor.