In Russland gefundenes Schwert aus dem 12. Jhd. könnte von Iwan dem Schrecklichen sein

Nowosibirsk – Ein russischer Archäologe brachte eine neue Theorie hervor, um das Rätsel einer Klinge aus dem 12. Jahrhundert zu erklären, die in Deutschland gefertigt, in Schweden verziert und in Sibirien gefunden wurde. Das Schwert könnte Zar Iwan dem Schrecklichen gehört haben, dem es in der Zeit der Eroberung Sibiriens als Geschenk überbracht wurde.

Das mittelalterliche Schwert wurde laut der „Siberian Times“ 1975 zufällig bei Ausgrabungen des Archäologen Wjatscheslaw Molodin am Ufer des Flusses Ob im sibirischen Nowosibirsk zur Untersuchung bronzezeitlicher Siedlungen und Friedhöfen entdeckt.

Alexander Lipatow, der Leiter der Grabungen, missachtete eine schriftliche Instruktion wo zu graben sei und untersuchte einen Bereich neben einer großen Birke, bei der diese prachtvolle Entdeckung gemacht wurde. Nur fünf Zentimeter unter dem Gras lag das gut erhaltene Schwert, etwa einen Meter lang mit einem typischen Eisengriff mit Parierkreuz und dreiteiligem Knauf, beidseitig makellos beschriftet. Angesichts der Lage und Tiefe des Fundes war klar, dass es nicht absichtlich vergraben wurde.

Das Schwert bescherte eine Art Puzzle. Seine Machart war nicht typisch für Russland oder Asien. In der Tat ist es die einzige Waffe dieser Art, die jemals in Sibirien gefunden wurde. Weitere Untersuchungen haben ergeben, dass es ins späte 12. oder frühe 13. Jahrhundert zurück datiert werden kann, ursprünglich aus dem Rheinbecken stammt bevor es auf das schwedische Festland oder die Insel Gotland kam, um mit einem reich verzierten Silbergriff und nordischen Mustern geschmückt zu werden. Die lateinische Inschrift wurde von Fachleuten am St. Petersburger Eremitage-Museum entschlüsselt und lautet: „Im Namen der Mutter unseres Retters, ewiger ewiger Herr und Retter. Christ Jesus Christus“.

Es hatte sich eine weitgreifende Debatte darüber entspannt, wie das Schwert letztendlich in Russland gelandet sein könnte. Ob es entweder entlang eines Handelswegs getragen oder als Kriegsbeute bei einem Scharmützel ergattert wurde, berichtete die „Siberian Times“. Gemäß arabischen Historikern hätte es Mitte des 12. Jahrhunderts einen alten nördlichen Pfad durch Russland zum Ob gegeben, die Syrjanskaja Strasse oder Russkij Tjos genannt. Im Lauf der Jahrhunderte entdeckten Archäologen Schatzfunde mit Münzen, silbernen Gefäßen und mittelalterlichem Schmuck vom Ural bis hinunter zum Ob, die aus dem Westen hierher verbracht wurden.

Allerdings erklärte Molodin, die Schwierigkeit bei dieser Theorie sei, dass das Gebiet in dem das Schwert gefunden wurde, von den unteren und mittleren Abschnitten des Ob durch mehrere hundert Kilometer mit dichten Wäldern und Sümpfen abgeschnitten ist.

Molodin hat jedoch noch eine andere Anregung. Laut seiner jüngsten These könnte das Schwert auch Zar Iwan dem Vierten (Iwan der Schreckliche), dem großen Prinzen von Moskau von 1533 bis 1547 und Zar aller Russen von 1547 bis zu seinem Tod 1584, gehört haben. Iwans Territorialerweiterungen ermöglichten eine Handelsbeziehung mit Europa, auf deren Konto gehen könnte, dass das Schwert letztendlich in Iwans Hände gelangte. Molodin nimmt an, dass die Waffe aus der königlichen Rüstkammer durch den legendären Krieger Iwan Koltso, als Geschenk für die Eroberung Sibiriens, an den Anführer der Kosaken Jerman Timofejewitsch ging.

Das Schwert lag unbedeckt am Fuss eines Baumes in der Baraba-Waldsteppe, weniger als drei Kilometer von der Stelle entfernt von der angenommen wird, dass Koltso im Kampf fiel. Könnte das Schwert aus den Händen Koltsos bei der Schlacht gefallen sein?

„Das Schwert entgleitet aus der Hand des Helden und fällt unter einer jungen Birke auf den Boden“ erzählte Molodin der „Siberian Times“. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich recht habe, aber aufgrund der Vorstellung ist diese Geschichte doch wirklich wunderschön.“

Bis jetzt ist diese Theorie von Molodin unbewiesen, aber sollte er recht haben, wäre die Entdeckung des Schwerts sicherlich einer der wichtigsten Funde der sibirischen Geschichte.

In Moskau 1547 gekrönt, wurde Iwan der Vierte der erste russische Zar und der Anführer der größten Nation, die die Welt bis dahin jemals gesehen hat. Sein Vermächtnis verbleibt schwer verständlich. Iwan war ein fähiger Diplomat, ein prominenter Theologe, ein Bewahrer der Kunst und des Handels und einer der bestgebildeten Menschen seiner Zeit. Nur, in seinen späteren Jahren wurde er berüchtigt als skrupelloser Herrscher, der Tausende abschlachtete und im Zorn seinen eigenen Sohn tötete. Nach Iwans Tod am 18. März 1584 wurde das verwüstete Land seinem verstandesmäßig unvermögenden Sohn Fjodor hinterlassen.

[Autor: April Holloway]

Aus dem Englischen übersetzt mit freundlicher Genehmigung von „Ancient Origins“. Zum Originaltext mit weiterführenden Links gelangen Sie hier: ancient-origins.net >>>