In Russland freigelegte Mumien hatten Verbindungen nach Persien

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Jamal – Archäologen haben die Ausgrabungen bei Seleniji Jar, einem abgelegenen Ort nahe des Polarkreises, den die indigenen Nenzen als „das Ende der Welt“ bezeichnen, wieder aufgenommen. Die Stelle hatte bereits rund ein Dutzend geheimnisvoller Mumien offenbart, die den Anschein erwecken fremd in dieser Region gewesen zu sein und die Spuren der Artefakte bis ins 6.000 Kilometer entfernte alte Persien zurück zu verfolgen sind. Wissenschaftler unternehmen derzeit genetische Tests, um die Herkunft der Mumien zu bestimmen und die Geheimnisse einer rätselhaften mittelalterlichen Zivilisation zu lüften.

Es war Anfang des letzten Jahrzehnts, als russische Archäologen 34 flache Gräber mit elf mumifizierten Körpern entdeckten, die auf eine 800 Jahre alte Nekropole hinzuweisen scheinen. Allerdings wurden die Ausgrabungen durch die Einheimischen der Jamal-Halbinsel zum Stillstand gebracht, die argumentierten, dass die Seelen ihrer Vorfahren dadurch gestört würden. Ein Gesuch, das vom gegenwärtigen Forscherteam unter der Leitung von Alexander Pilipenko, dem wissenschaftlichem Mitarbeiter des Instituts für Zytologie und Genetik in der sibirischen Abteilung der Russischen Akademie der Wissenschaften, ignoriert wurde.

Die Entdeckung war äußerst selten. Die Mumien wurden in einem gut erhaltenen Zustand durch Zufall entdeckt und sie trugen Kupfermasken. Gefunden wurden sieben männliche Erwachsene, drei Knaben und ein kleines Mädchen, begraben unter einem Berg Juwelen und anderen Beigaben. Ihre Schädel sind zerschmettert oder fehlen ganz, die Skelette sind zerschlagen. Fünf der Mumien sind mit Kupfer bedeckt, sowie in Felle aus Rentier, Bieber, Vielfraß und Bär gehüllt. Eine Mumie stammt von einem rothaarigen Mann, von der Hüfte bis zu den Füssen durch einen Kupferpanzer geschützt. In seiner letzten Ruhestätte befanden sich ein Beil aus Eisen, Pelze und eine Kopfschnalle aus Bronze in Form eines Bären.

Die Forscher nehmen an, dass die Mumifikation der Körper nicht absichtlich erfolgte, sondern durch eine Reaktion des Kupfers, das die Verwesung der sterblichen Überreste verhinderte, in Kombination mit den absinken Temperaturen über die Jahrhunderte, nachdem die Gruppe beerdigt wurde, geschah. „Nirgendwo auf der Welt fanden sich so viele mumifizierte Überreste außerhalb des Permafrostboden oder der Sümpfe“, sagte Natalia Fjodorowa vom Ural-Zweig der Russischen Akademie der Wissenschaften, wie die „Siberian Times“ berichtete.

Fjodorowa glaubt zudem, dass der Zustand und die Ausrichtung der Leichen auf eine Art religiöses Ritual hindeuten. Sie denkt, dass das Zertrümmern der Schädel kurz nach dem Tod erfolgte, „um vor geheimnisvollen Mächten zu schützen, die mit dem Ableben ausströmen“. Ebenso zeigen die Füße der Verstorbenen in die Richtung des nahe gelegenen Gornji Poluji Flusses, der eine religiöse Bedeutung habe. Allerdings sind derlei Bestattungsrituale den Experten bisher unbekannt und auch nicht typisch für diese Region, so dass man davon ausgehen kann, dass die Mumien einer fremden Rasse zuzuordnen sind.

Tatsächlich lassen die Artefakte eine solche Möglichkeit der Deutung zu. Manche der an diesem Ort gefundenen Gegenstände, wie zum Beispiel Bronzeschalen, entstanden im 6.000 Kilometer südwestlich gelegenen Persien und werden auf das 11. und 12. Jahrhundert datiert. Die Entdeckung ist ein weiterer Beleg dafür, dass Sibirien zu der Zeit keineswegs ein isoliertes Ödland war, sondern eine Schnittstelle des internationalen Handels und kultureller Mannigfaltigkeit.

April Holloway

Aus dem Englischen übersetzt mit freundlicher Genehmigung von „Ancient Origins“. Zum Originaltext mit weiterführenden Links gelangen Sie hier: ancient-origins >>