In 24 Tagen quer durch Russland – auf dem Fahrrad

Neukirchen/Moskau – In sage und schreibe 24 Tagen will der österreichische Extremsportler Wolfgang Fasching das größte Land der Erde durchqueren. Was für manche mit dem Auto schon als Stress empfunden wird, will er noch toppen: Fasching fährt auf einem Fahrrad.

„Es soll die schnellste Durchquerung Russlands eines Menschen durch eigene Muskelkraft werden“, so sagt er, der Steirer Bua. Das Zeug dazu hätte er. Wolfgang Fasching hat zuletzt die sogenannten „Seven Summits“ bestiegen und damit die höchsten Berge eines jeden Kontinents auf diesem Globus bezwungen. Aber sein Hauptbetätigungsfeld ist eindeutig das Fahrradfahren. Regelmäßige Platzierungen unter den ersten Athleten bei diversen Rennveranstaltungen zeugen vom Willen und der Ausdauer des Österreichers.

Ein Mann stellt sich der Herausforderung

Acht Mal ist er bereits Rennen quer durch die Vereinigten Staaten von Amerika gefahren. Drei Mal hat er den Wettbewerb gewonnen, bei den anderen Rennen wurde er halt Zweiter, beziehungsweise Dritter. Und nun also Mütterchen Russland. Auch wenn es keine Rennveranstaltung im eigentlichen Sinne ist, hat sich Fasching trotzdem ehrgeizige Ziele gesteckt. In 24 Tagen will er die 10.000 Kilometer lange Distanz von Wladiwostok bis nach St. Petersburg bewältigen. Dazu bedarf es Etappen von über 400 Kilometern pro Tag. Durchschnittlich will Fasching mit weniger als vier Stunden Schlaf täglich auskommen.

Selbstredend hat das Kind auch einen Namen: „Race across Russia – Coast to Coast“ nennt sich das Projekt. Ein Mann, ein Fahrrad, Solo und das in Rekordzeit. Das heißt, so ganz mutterseelenallein ist Wolfgang Fasching natürlich nicht in Russlands Weiten unterwegs. Begleitet wird er von vier Fahrzeugen mit zwölf Mann „Besatzung“, die ihn eskortieren werden. Das Team setzt sich aus Sportexperten, Mechanikern, Koch und Medizinern zusammen. Zudem wird noch ein Fahrzeug mit „Russlandkennern“ und Dolmetschern losziehen.

Das Unternehmen, das am 23. Juli 2014 in Wladiwostok gestartet wird, reift mit einer Vorbereitungszeit von einem Jahr. Wladiwostok – Chabarowsk – Tschita – Ulan Ude – Irkustsk – Nowosibirsk – Omsk – Jekaterinburg – Perm – Kirow – Jaroslawl – Moskau – St. Petersburg. Einige der Strassen auf der Route sind sicherlich mitunter recht gut zu befahren, meistens allerdings sind sie eher schlecht. Außerdem geht es ständig auf und ab. Insgesamt wäre eine Differenz von 80.000 Höhenmetern zu überwinden, so hat man ausgerechnet. Tagsüber garantiert mit ordentlichem Verkehr.

Erstmal gesund über die Bühne bringen

Vorab hat der österreichische Extrem-Radler schon mal Moskau eine Stippvisite abgestattet um die Ziele des Vorhabens zu erläutern. Schließlich wäre es das erste Mal, so eine lange und zudem extreme Radtour zu realisieren. Niemand weiß letztendlich, wie der menschliche Körper nach 5.000 Kilometern extremer Belastung reagieren wird. Denn, es ist durch Russland doppelt so weit wie durch die USA. „Vieles wird davon abhängen (…) wie der Verkehr ist und wie die Straßenbeläge sind.“, spricht Wolfgang Fasching schon fast etwas respektvoll über seine Mission.

Man solle jedoch das Thema der medizinischen Begleitung nicht all zu hoch hängen. Letztlich ginge es darum, dieses ganze Unternehmen gesund durchzustehen. „Und der Arzt ist ja auch dafür zuständig, die ganze Ernährung mehr oder weniger im Griff zu haben, wenn man 18.000 Kalorien pro Tag essen soll und 20 Liter trinken soll. Das braucht einfach eine gute Kontrolle!“ Diese Kontrolle, so ist es geplant, kann dann von Jedermann und Jederfrau live rund um die Uhr vorgenommen werden. Dazu wird derzeit eine App für Smartphones entwickelt.   

Jene einzigartige und größte sportliche Ausdauerherausforderung der Welt, so die Eigenwerbung, hat ja auch hehre Ziele. Man spricht von Unmachbares zu realisieren, Brücken zu bauen zwischen Nationen und Kulturen. Besonders zwischen Russland und dem Westen. Außerdem will man die Kooperation zwischen Sport und Wirtschaft fördern. Ach ja, den Radsport wolle man in Russland noch popularisieren. Die „Stimme Russlands“ konnte sich nicht verkneifen, das Vorhaben als „auf den ersten Blick verrückt“ zu bezeichnen.

(mb/russland.RU)

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.