Immanuel Kant – ein Versager?

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In letzter Woche hat diese Neuigkeit aus Kaliningrad nicht nur unter lokalen Berichterstattern, sondern auch in dutzenden Pressestimmen weltweit die Medienresonanz gefunden.

An der Außenwand des halbzerstörten «KANT-Häuschens» konnte jeder in kyrillischer Schrift die grüne Graffiti lesen, wo der große Philosoph Kant ohne besondere Pietät als Loser bezeichnet worden ist.

In ehemaligem Judtschen (ab 1938 Kanthausen), jetzt Siedlung Wesselowka (was deutsch so gut wie „lustiger Ort“ heißt) im Kreis Tschernjachowsk, Kaliningrader Gebiet, weiß man eigentlich seit vielen Jahren über ein  Pfarrerhaus, wo der junge 23jährige Immanuel Kant den Job als Hauslehrer ausgeübt werden sollte.  Es ist auch bekannt, dass dieses konkrete Häuschen in Wesselowka im besten Fall nur ein Fundament aus Kants Zeit besitzen darf. Wenn man aber von der Zeitperiode um 1750 und Kants Figur dazu spricht, so gilt es schon Respekt fürs Wrack zu haben.

Man kann zwar über die Varianten der Übersetzung aus dem Russischen streiten, aber es geht mir als Kaliningrader in erster Linie nicht um die philologischen Feinheiten.

Der Fall scheint klar zu sein. Der ungebildete russische Nachwuchs verschmäht den Namen von Kant und ist nicht fähig, die Verdienste des großen Denkers zu würdigen.

Für die Ausländer war es offenbar bloß ein Skandal und eine Beleidigung, so z.B. schlussfolgerten die Franzosen, ohne zu zweifeln und ohne zu schwanken, die Russen meinten, Kant est un crétin.

Ich bin dem Gedanken fern, die jungen Chaoten reinzuwaschen, aber so einfach ist es wohl auch nicht. Für Narr-Nominationen gibt es in russischer Sprache viele andere Wörter. Apropos, wenn man möchte, dann kann man mühelos in den Ruinen ringsumher bestimmt viele derbe Aufschriften entdecken, die überwiegend  poesielosen Ernst des Lebens, vor allem seine  physiologischen Besonderheiten als Gegenstand haben.

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