„Ich bin russischer Okkupant“ als fragwürdiger YouTube-Hit [Video aus YouTube]

Video aus russisch-nationalen Kreisen verbreitet sich weit ins russische Netz

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Ein Video aus nationalistischen Kreisen Russlands hat sich in den letzten Tagen zu einem der größten Hits im russischsprachigen YouTube entwickelt, den es nun sogar mit deutscher Untertitelung gibt.

Der Inhalt ist in der Tat fragwürdig und stellt aus Sicht der Autoren verschiedene Stadien der russischen Geschichte dar. Zum einen russische Siege über die Polen, Napoleon oder Hitler – zum anderen die zeitweiligen Besetzungen von heutigen Nachbarstaaten. Dabei werden die positiven Aspekte dieser russischen Zeiten hervorgehoben und die negativen der nicht-mehr-russischen danach, um dies dann der provokativen Bezeichnung „russischer Okkupant“ gegenüber zu stellen. Das Video verbreitete sich wie ein Lauffeuer und hat im russischsprachigen Netz eine dermaßen große Verbreitung gefunden, dass wir es nicht einfach unter den Teppich kehren können. Es sagt viel aus zum Selbstverständnis des neuen Nationalbewusstseits eines Teils der russisch politisch-interessierten.

Hier sei aber gleich festgestellt, dass wir von russland.RU uns mit diesem Video nicht identifizieren – es betreibt dieselbe Art von Geschichtskitterung, wie umgekehrt Nationalisten aus den angesprochenen Staaten – nur genau anders herum als diese. Denn die Zeit der russischen Herrschaft über heute unabhängige Nachbarstaaten war genausowenig nur gut wie sie nur schlecht war. Hier werden für die Verbreitung einer gewünschten Message willkürlich nur bestimmte Puzzleteile aus der Gesamtgeschichte heraus gegriffen, um ein Wunschbild zu erzeugen. So etwas ist nie gut – oder, anders ausgedrückt – ist es z.B. genau das, was wir an der deutschen Mainstream-Berichterstattung über Russland kritisieren. Das gibt es natürlich auch in Russland und damit kann man in Russland momentan Erfolg haben.

Wir distanzieren uns deshalb ausdrücklich vom Inhalt des untenstehenden Videos, würden es aber auch für falsch halten, dieses Werk, das sich bereits so weit verbreitet hat, nicht zu dokumentieren, da es ein Schlaglicht auf das Selbstverständnis vieler Russen wirft. Sonst hätte es kein Millionenpublikum erreicht. Auch ist es vom rein technische Aspekt nahezu perfekt inszeniert und es ist davon auszugehen, dass es finanzkräftige Hinterleute gab, die den Film unterstützten.