Honeymoon Trump-Putin: Wie gewonnen so zerronnen

Foto: zio fabio CC BY-SA 2.0 via Flickr
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[Von Hans-Ulrich Berger] – Als Donald Trump seine Ambitionen auf die US-Präsidentschaft verkündete, dachten viele Menschen spontan „Oh, ein Erzkapitalist und ein Erzsowjet, das kann nicht gut gehen“. Der Wahlkampf lehrte es anders – plötzlich lag die Vision einer Entspannung zwischen beiden Großmächten in der Luft. Wladimir Putin schickte Vorschusslorbeeren über den Atlantik, der russische Presseapparat sekundierte das Wohlwollen für den hemdsärmeligen Newcomer.

Mit einem russophilen Sicherheitsberater im Team, dem gerade zurückgetretenen Ex-General Michael Flynn, nährte der Kandidat die öffentliche Sehnsucht nach Frieden zwischen Kreml und White House. Wie inzwischen bekannt, gab es bereits vor den US-Wahlen Gespräche zwischen Trumps Leuten und Mitarbeitern des Kremls, darunter auch Geheimdienstler. Ein Schelm, wer da nicht an die sanfte Reaktion Putins auf die letzte Ausweitung der Sanktionen seitens der Obama-Regierung denkt. Doch ein Honeymoon zwischen Amerika und Russland nach dem US-Präsidentenwechsel? Ein Traum nahm Gestalt an.

Und jetzt? Der rosarote Ballon am Firmament der Hoffnung ist binnen zweier Tage geplatzt. Urgestein Michael Flynn wurde oder hat sich selbst verbrannt – tags darauf holt Trump die Krim-Keule heraus, indem er die Aufhebung von Sanktionen gegen Russland mit der Rückgabe der Schwarzmeer-Halbinsel koppelt. Damit zwingt der neue US-Präsident Moskau, das an sich hübsche Kartenhaus der Annäherung zum Einsturz zu bringen.

Mild klingt es aus dem insgesamt empörten Moskau bei dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses im Parlament, Leonid Sluzki. „Wir haben – bei aller Sympathie für Trumps konstruktive Rhetorik – zu früh entschieden, dass er prorussisch ist. Er ist proamerikanisch.“ Parlamentspräsident Wjatscheslaw Wolodin findet deutlichere Worte: „Alle Aussagen über eine Abtrennung der Krim von Russland sind ein Angriff auf unsere territoriale Integrität.“

„Wir geben nicht unser eigenes Territorium zurück“, konterte das Außenministerium durch Sprecherin Maria Sacharowa. Putins Sprecher, Dmitri Peskow, äußerte sich außenpolitisch und grundsätzlich „Russland verhandelt nicht mit ausländischen Partnern über Fragen zu seinem Territorium… dieses Thema wird nicht diskutiert, weil es nicht diskutiert werden kann.“ So enden Gespräche – ein Winternachtstraum platzt. Folgerichtig erklärte der russische Präsident die Krim-Frage für „endgültig abgeschlossen“.

Die Flitterwochen einer Trump-Putin-Ehe endeten in einem Fiasko. Trump und sein Team haben bei dem Versuch eines Wechsels in den Beziehungen zu Russland eine Reset-Taste der besonderen Art gedrückt: Auf neuer Basis wird nicht alles anders – jetzt bleibt auf neuer Basis alles so wie immer.

[Hans-Ulrich Berger/russland.NEWS]