Hitlergruß im litauischen TV gesendet

Foto: TV-Screenshot

Wegen eines öffentlich gezeigten Hitlergrußes in Litauen wurde eine populäre Show an den internationalen Pranger gestellt. Verantworten für die nationalsozialistische Geste muss sich die litauische Schauspielerin Asta Baukutė. Die Sendung wurde daraufhin umgehend eingestellt.

„Ich bin schockiert. Dieses Verhalten entspricht nicht den von LRT propagierten Werten. Als Verantwortlicher für die Sendung und zeitweiliger Generaldirektor bitte ich unsere Zuschauer um Verzeihung“. Mehr wusste am Samstag der Generaldirektor des Senders LRT, Rimvydas Paleckis, auch nicht über den Eklat zur besten Sendezeit zu sagen. Den Verantwortlichen der Sendung ist dieser Vorfall besonders peinlich, da es sich dabei nicht einmal um eine Live-Übertragung handelte. Die Ausstrahlung war eine, zu einem späteren Zeitpunkt gesendete Aufzeichnung, bei der es offenbar dennoch im Vorfeld niemand für nötig empfand, zu handeln.

Verschiedene Musikstücke galt es in der Sendung zu erraten und dem jeweiligen Urheber des Werkes zuzuordnen. Als die Schauspielerin Asta Baukutė eine Melodie des litauischen Komponisten Simonas Donskovas richtig erkannte, erhob sie sich bei der Nennung des Namens und zeigte demonstrativ den „verbotenen Gruß“ mit der Hand des ausgestreckten rechten Armes. Zeitgleich legte Baukutė zwei Finger der anderen Hand an ihre Oberlippe, um das Bärtchen zu symbolisieren, das der deutsche Diktator Adolf Hitler getragen hatte. Zudem soll die Schauspielerin laut „Jude“ in die laufenden Kameras gerufen haben. Tatsächlich ist der zeitgenössische Künstler Donskovas jüdischer Abstammung.

Schauspielerin Baukutė sieht den Trubel, den ihr Auftritt ausgelöst hat, offenbar nicht sehr ernst und überzogen. „Wenn Sie einen grundlosen Konflikt suchen, dann bitte woanders. Das ist eine Unterhaltungssendung und keine Politische“, trotzte sie dem litauischen Nachrichtenportal Delfi gegenüber. Außerdem zeigte sich Baukutė überrascht und habe keinerlei Verständnis dafür, dass die Verantwortlichen die Sendung wegen ihrem Auftritt einstellten. Nun ist Asta Baukutė allerdings auch kein unbeschriebenes Blatt in Litauen. Die Theater- und Filmschauspielerin versucht sich ebenfalls seit geraumer Zeit in der litauischen Politik. Noch im selben Jahr 2008, als sie auf der Liste der „Aufsteigenden nationalen Partei“ unter der Führung von Arūnas Valinskas stand, erhielt sie vom litauischen Kulturministerium einen Preis für ihre aktive Arbeit im Theater.

[mb/russland.RU]

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.