Historikerstreit um ukrainischen Holodomor

Sozialer Druck schadet der ergebnisoffenen Forschung

Ukraine_Foto de.torange.biz CC BY 4.0 klein

[von Peter Mühlbauer] Der Begriff „Holodomor“ setzt sich aus den ukrainischen Wörtern „Holod“ („Hunger“) und „Mor“ („Tod“) zusammen und steht für das Verhungern von drei bis fünf Millionen Menschen in den Jahren 1932 und 1933. Die UNESCO, sprach in einer Resolution von 2007 zwar von einer „nationalen Tragödie des ukrainischen Volkes“, die aus Stalins Politik der Zwangskollektivierung der Landwirtschaft resultierte, erwähnte aber auch die zahlreichen Opfer in nichtukrainischen Gebieten wie der Wolgaregion, dem Nordkaukasus und Kasachstan, wo vor allem ethnische Russen verhungerten.

Manchen ukrainischen Politikern reichte das nicht. Sie forderten, dass die UNESCO die Hungerkatastrophe als geplanten Völkermord an ethnischen Ukrainern einstufen sollte, was in Russland unter anderem auf den Widerspruch des Archipel-Gulag-Autors Alexander Solschenizyn stieß, der diese Forderung mit den „kühnen Verdrehungen des bolschewistischen Agitprops“ verglich. Die Duma, das russische Parlament, formulierte damals eine Erklärung, in der es heißt: „Es gibt keinen historischen Beweis dafür, dass es sich um eine nach ethnischen Kriterien organisierte Hungersnot handelte [-] Millionen Sowjetbürger unterschiedlicher Herkunft fielen ihr zum Opfer“ (vgl. Retrospektives Nation Building).

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