Henry Kissinger: Putin plante keinen Konflikt in der Ukraine [CNN-Video]

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Ex-Außenminister der USA, Henry Kissinger, hält es für wenig wahrscheinlich, dass ein Konflikt in der Ukraine zu Wladimir Putins Plänen gehörte.

„Man muss sich fragen: Putin hat 60 Milliarden Dollar für die Olympischen Winterspiele ausgegeben“, sagte Kissinger in einem CNN-Interview. Bei der Eröffnungs- und der Abschlusszeremonie war man bemüht, Russland als einen fortschrittlichen Staat darzustellen. Es wäre unglaublich, dass Putin drei Tage später die Ukraine überfallen würde.“

Kissinger: One has to ask oneself this question: He spent $60 billion on the Olympics. They had opening and closing ceremonies, trying to show Russia as a normal progressive state. So it isn’t possible that he, three days later, would voluntarily start an assault on Ukraine. There is no doubt that…

Alle namhaften Russen, mit denen er gesprochen habe, einschließlich der Schriftsteller Alexander Solschenizyn und Iossif Brodski, haben „die Ukraine als einen Teil der russischen Kultur empfunden“, fügte er hinzu.

Kissinger: Yes. I think at all times he wanted Ukraine in a subordinate position. And at all times, every senior Russian that I’ve ever met, including dissidents like Solzhenitsyn and Brodsky, looked at Ukraine as part of the Russian heritage.

Nach Kissingers Meinung musste Wladimir Putin auf die Entwicklung in der Ukraine reagieren, die „außer seiner Kontrolle geriet“.

Kissinger: „Ich denke nicht, dass er eine Krise in der Ukraine heraufbeschwören wollte. Ich denke, dass er eine schrittweise Entwicklung erwartet hat. Heute ist dies eine Art Antwort darauf, was er als eine außerordentliche Situation bewertet hat (…) Ich denke aber, dass wir vor allem die Krise in der Ukraine regeln und erst dann die Beziehungen zwischen der Ukraine und Russland behandeln sollten“.

Kissinger: But I don’t think he had planned to bring it to a head now. I think he had planned a more gradual situation, and this is sort of a response to what he conceived to be an emergency situation. Of course, to explain why he did it doesn’t mean one approves of annexing part of another country or crossing of borders. But I think we ought to settle the Ukraine issue first, and then have a discussion about relations with Russia.

In einem vor kurzem in der „Washington Post“ erschienenen Artikel hatte der namhafte US-Politiker betont, dass die Ukraine nicht als ein Land wahrgenommen werden dürfe, das entweder die Position des Westens oder die Position des Ostens beziehen solle. Sie müsste als ein Staat betrachtet werden, der als Brücke dazwischen dienen sollte. Außerdem äußerte Kissinger die Ansicht, dass „die Dämonisierung von Putin keine Politik“ sei, sondern „ein Versuch, sich für ein Fehlen der Politik zu rechtfertigen“.