Gorbatschow zum Tod Helmut Kohls

Bundeskanzler Helmut Kohl (r.) im Gespräch mit Michail Gorbatschow,Präsident der UdSSR (M.) und Hans-Dietrich Genscher, Bundesminister des Auswärtigen, an einem Holztisch über die volle Souveränität des vereinten Deutschlands und Bündniszugehörigkeit zur Nato (stehend v.l.: Horst Teltschik, Kanzlerberater; Hans (Jonny) Klein, Sprecher der Bundesregierung; Theo Waigel, Bundesminister der Finanzen; Raissa Gorbatschowa; , Eduard Schewardnadse, Außenminister der UdSSR).
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Der ehemalige Präsident der UdSSR Michail Gorbatschow hat sein Beileid über den Tod des ehemaligen Kanzlers der Bundesrepublik Deutschland, Helmut Kohl, bekundet.

Gorbatschow hob die  Rolle Kohls bei der Beendigung des Kalten Krieges und dem Aufbau des gegenseitigen Vertrauens hervor, heißt es in der Erklärung Gorbatschows, veröffentlicht auf der Website der »Gorbatschow-Stiftung«.

„Die deutschen haben Helmut Kohl den inoffiziellen Titel  »Kanzler der deutschen Einheit« gegeben und das ist richtig und gerecht“, heißt es in der Mitteilung. Gorbatschow wies darauf hin, dass Kohl nicht nur wegen seiner Persönlichkeit in die Chronik unserer Zeit eingehen wird, sondern auch, weil er an der Spitze des Staates war in einer Zeit des beispiellosen Wandels. In seine Zeit fällt die Beendigung des nuklearen Wettrüstens, das Ende des kalten Krieges, der Fall der Berliner Mauer und die Vereinigung Deutschlands, hob der ehemalige sowjetische Präsident hervor.

„Es war ein großes Glück, dass in dieser schwierigen Zeit Staatsmänner die Großmächte führten, die ein Gefühl für Verantwortung hatten und nicht nur die Interessen ihrer Länder im Auge hatten, sondern auch fähig waren, die Interessen der anderen zu berücksichtigen“, erklärt Gorbatschow.

Gorbatschow erinnert auch daran, dass, als er im November 2014 an den Feierlichkeiten zum 25-jährigen Jubiläum des Falls der Berliner Mauer teilnahm, ihm Helmut sein Buch »Aus Sorge für Europa« schenkte. In ihm hat er den Westen eindringlich davor gewarnt, die Interessen Russlands zu vernachlässigen.

„Mir ist folgendes eine der wichtigsten Botschaften dieses Buches: „der Westen zusammen mit Russland und der Ukraine müssen dafür sorgen, dass nicht alles verloren wird, was wir einmal erreicht haben“, so Gorbatschow.

Im Juni 1989 hatten Gorbatschow und Kohl in einer gemeinsamen Erklärung die Absicht der beiden Staaten betont, die Lehren aus der Geschichte zu ziehen und dauerhafte Vereinbarungen in den Bereichen Abrüstung, Außenhandel und Jugendaustausche abzuschließen.

Im November 1990 wurde von beiden der Vertrag über gute Nachbarschaft, Partnerschaft und Zusammenarbeit zwischen der UdSSR und der BRD unterzeichnet.

[Hanns-Martin Wietek/russland.NEWS]

Über den Autor

Hanns-Martin Wietek
Arbeitet als freier Publizist für russische Literatur und Geschichte für verschiedene Medien. Literaturkritiker für buechervielfrass.de und russland.RU. Seit 2003 bei russland.RU zuständig für Kunst und Kultur und stellt russische Künstler vor.