Genmanipulation: Nein diese Suppe ess‘ ich nicht

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[Von Michael Barth] – Zwar, so argumentiert es der Volksmund, sei Hunger der beste Koch, jedoch wusste schon der Philosoph Friedrich Nietzsche zu mahnen: „Du musst nicht nur mit dem Munde, sondern auch mit dem Kopfe essen…“. Denn, unserem Essen, das ja bekanntlich Leib und Seele zusammenhält, soll es an den Kragen gehen.

Da allerdings der Mensch dazu neigt, sich alles Untertan zu machen was Mutter Natur einst erschaffen hatte, gedachte ein Industriezweig neue Maßstäbe bei der Lebensmittelerzeugung zu setzen, indem er bewährtes Saatgut sozusagen neu erfand. Diese modifizierten Pflanzen schützen sich dann selbst vor Ungemach, der banale Kartoffelkäfer ist somit endgültig Geschichte.

Schädlingsresistenz, garantiertes ertragreiches Turbowachstum – was sich zunächst anhört wie ein Segen für den Landwirt, birgt jedoch nichts anderes als monopolistisches Gedankengut in sich. Nur, dass sich neben den Schädlingen auch alle anderen Arten von Lebewesen buchstäblich vom Acker machen werden. Der Raubbau am gesunden Ökosystem ist damit Programm. Insekten, die für eine gesunde Fruchtfolge sorgen, werden nicht mehr berücksichtigt, die optimierten Rahmenbedingungen stellt der Saatguthersteller. Das natürliche Gleichgewicht wird noch nachhaltiger zerstört werden, als es eh schon ist.

Dem schiebt Russland nun einen Riegel vor. Per Gesetz wurde die Zucht und der Anbau von genmodifizierten Pflanzen, beziehungsweise Tieren verboten. Ein diesbezügliches Dokument wurde bereits auf dem Webportal für rechtliche Informationen veröffentlicht. Davon ausgenommen sind lediglich wissenschaftliche Forschungen. Auch die Einfuhr von Organismen und Erzeugnissen, die gentechnisch verändert wurden, werden von diesem Gesetz untersagt, sofern deren schädliche Einwirkung auf den Menschen und die Umwelt nachgewiesen wurde.

Da allerdings liegt der Hase im Pfeffer. Es scheint fraglich, ob der relativ kurze Zeitraum seit der gezielten Einführung genmanipulierter Agrarerzeugnisse in unsere Nahrungskette, bereits für Langzeitstudien ausreichend sein kann. Insgesamt wurden im Jahr 2015 weltweit bereits 179,7 Millionen Hektar Anbaufläche mit genveränderten Pflanzen bestellt. Die USA, Brasilien, Argentinien, Indien und Kanada – fünf Länder, die sich mit dem Anbau genveränderter Erzeugnisse besonders hervorheben. Zudem erweiterte sich die Größe dieser Anbauflächen gerade in Entwicklungsländern seit den letzten vier Jahren konstant.

Andere, wie zum Beispiel die Mitgliedsstaaten der Europäische Union, sollen durch Handelsabkommen wie TTIP oder CETA durch die Hintertür infiltriert werden. Oder aber man bedient sich gleich der Landnahme in kriegerischer Absicht, wie im Fall der Ukraine, wo sich der Konzern Monsanto bereits mit Beginn des Umsturzes seine Pfründe von stolzen 1,5 Millionen Hektar Anbaufläche gesichert hat. Ob und wie weit es nun möglich ist, Verunreinigungen durch Monsanto-Saatgut, das über den Wind nach Russland gelangen kann, zu vermeiden, wird man sehen.

[Michael Barth/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.