Fußball: Letztes Testspiel absolviert – die WM kann kommen

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Moskau – Russland und Marokko spielten in Moskau gegeneinander Fußball.  Es war nicht wirklich wichtig, dieses letzte Testspiel vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien, aber es war ein Gradmesser für Russlands Nationalmannschaft, sich noch einmal im direkten Vergleich mit einem adäquaten Partner auf Augenhöhe zu messen.

Vorweg gesagt, Marokko spielt nicht mit bei der WM, Russland schon. Schönes Wetter und ein schönes Stadion, das Lokomotive Moskau da hat. Eine Kapazität von etwa 30.000 Besuchern aber es war herzlich wenig los, denn mehr wie 10.000 Zuschauer werden es nicht gewesen sein, die sich in das Rund verliefen. Aber, das sei zur Ehrenrettung angemerkt: Zumindest das Outfit der Sbornaja passt. So richtig fesche Kittel in Weinrot trugen sie zur Schau, die Helden aus Russland, die ja auch in Brasilien glänzen wollen.

In den ersten 20 Minuten jedoch offenbarten sich eklatante Abwehrschwächen der vorderen Verteidigerreihe. So ganz wollte die Ausrichtung noch nicht stimmen. Das Team aus Nordafrika wollte sich aber auch nicht gerade unter Wert in Moskau verkaufen und setzte den Weinroten ordentlich zu. „Ojojoj…“ wusste der Reporter im russischen TV des Öfteren zu berichten. Nach 29 Minuten endlich war es dann geschehen. Die Sbornaja war erlöst, Moskau war erlöst, ganz Russland war erlöst.

Berezutskiy und Schirkow schießen Marokko ab

Nach einer Ecke von rechts stand Vasily Berezutskiy goldrichtig im Strafraum und gleich einem Revolverhelden schoss der agile Innenverteidiger von ZSKA Moskau eiskalt aus der Drehung das Zeichen setzende 1:0 für Russland. Den Rest der ersten Halbzeit können wir uns schenken, denn außer redlichen Bemühungen von hüben wie auch drüben war nicht viel zu bestaunen. Marokko mühte sich redlich, setzte sogar einen an den Pfosten, und Russland fiel nicht wirklich allzu viel ein. Was nicht heißen will, dass die Nordafrikaner ein schlechtes Team haben. Das stellten sie im Verlauf des gesamten Spiels mehrfach unter Beweis.

Eine dicke Chance gab es dann noch für Russland, aber selbst der Nachschuss ging weit über das Tor. Die Halbzeitpause nutzte Trainer Fabio Capello dann für eine regelrechte rundum Erneuerung seiner Mannschaft. Gleich vier Spieler, darunter auch die Stützen des Teams mit Torhüter Akinfejew und Viktor Faysulin, verließen das Feld und machten Platz für, wenn man so sagen will, die zweite Riege im Kader. Besonders Juri Lodygin, der neue im Tor der Sbornaja, bekam in der Folge mehrfach die Gelegenheit sich auszuzeichnen.

Bereits in der 48. Minute durfte sich der Keeper von Zenit St. Petersburg beweisen, als er einen strammen Freistoss direkt in die Arme bekam. Zwei Minuten später war dagegen der marokkanische Torwart auf der Hut, nachdem Alexandr Samedow in seinem Heimstadion steil über rechts gefährlich nach vorne stieß. Ein paar Sekunden später ging auch ein erneuter Vorstoß Russlands mal wieder übers Tor. Aber die Sbornaja müht sich, sie will, sie hat was vor. Capello setzte ein Zeichen und brachte in der  den alten Haudegen Kerschakow, auch von Zenit St. Petersburg, für Kevin Kurianyis Kollegen Kokorin beim Hauptstadtverein Dynamo.

Und nun kam Stimmung in die Bude. Kerschakow rechts, Schirkow links – ein Dream-Team wie aus dem Bilderbuch. Wenn denn nur der finale Pass auch ankäme. Aber nach einer knappen Stunde war der Sack dann endgültig zu. Nach einer missglückten Kopfabwehr von Marokkos Innenverteidigung ließ es dann Juri Schirkow mal locker aus dem Fußgelenk krachen. Von der Strafraumgrenze hämmerte der Dynamo-Stürmer den Ball unhaltbar ins marokkanische Netz. Dann begann ein wahrer Sturm Russlands gen Nordafrika. Jedoch der Maghreb hielt sich wacker.

Zwar hatte die russische Mannschaft 60 zu 40 Prozent Ballbesitz, so sagt uns die Statistik, aber das will normalerweise nichts heißen. Selbst da wurden noch Spiele verloren. Aber trotz aller Bemühungen sollte es für Marokko nicht mehr reichen, 2:0 war zu guter Letzt der Endstand. Es war kein berühmtes Spiel, keines was in die Analen eingehen wird, sozusagen ein Muster ohne Wert. Aber Russland scheint für den Zuckerhut gerüstet. Das wollten wir so sehen und blicken guter Dinge auf den 18. Juni, wenn es dann heißt: Manege frei im internationalen Wettbewerb. Wperjed Rossija…

(mb/russland.RU)