Formel 1: Schöne Sauerei in Sotschi

Foto: Wikipedia CC BY-SA 4.0Foto: Wikipedia CC BY-SA 4.0
image_pdfimage_print

Sotschi – Die Formel 1 fährt wieder in Russland. PS-Starke Boliden, die für einen Gesamttitel permanent im Kreis herumfahren, ein paar Magnum-Flaschen Champagner, um sich bei der Siegerehrung tüchtig nass zu spritzen und natürlich aufgedonnerte Mädels mit unglaublich langen Beinen. Der Schwarzmeer-Ort Sotschi gibt die Kulisse.

Eigentlich perfekt für ein gelungenes Renn-Wochenende, möchte man soweit meinen. Das jedoch fing mäßig an. Freitag wollte der heilige Christopherus kein Nachsehen haben mit den Autofahrern, die hier am Schwarzen Meer im Autodrom um wertvolle Punkte fahren wollten, und am Samstag gab er sich noch verkaterter. Als erster Spielverderber trat jedoch ein Reinigungsfahrzeug auf den Plan. Irgendwie schaffte es das Gefährt, sich beim Säubern des Kurses die Ölwanne aufzureißen. Sie können sich die Schweinerei auf der Strecke sicherlich vorstellen.

Den nächsten – außerplanmäßigen – Programmpunkt gab dann folglich die Feuerwehr, die für den Kurs abgestellt ist. Die Jungs arbeiteten mit Hochdruck, respektive Hochdruckreinigern, um die ordentlich verteilte Ölspur wieder zu entfernen. Die Umweltkatastrophe war danach zwar gebannt, die Rennstrecke allerdings partiell nass und trocken. Die Piloten waren zum Nichtstun verdammt, die Reifenmechaniker schwitzten. Überhaupt, die Reifen. Während das Team Ferrari noch vollends seine letzte Hoffnung drauf setzt, scheinen die Fahrer von Williams bereits die Richtigen gefunden zu haben.

Ölspur und Totalsperre

Für den Freitag waren zunächst eh die Regenreifen die beste Wahl. Es fing an aus Kannen zu gießen. Von einem geregelten Trainingsablauf war längst nicht mehr die Rede. Bei Red-Bull beratschlagt man in so einem Fall schon mal die Motoren für die nächste Saison. Marcus Ericsson und Felipe Nasr blieben gleich ganz in der Garage und twitterten. Der Samstagvormittag klarte dann wieder auf. Überhaupt noch nicht klar hingegen war die bange Frage unmittelbar nach einem schweren Unfall: Lebt er noch oder lebt er nicht mehr?

Nach bereits 35 Minuten, in Runde 13 des Abschlusstrainings, schmierte bei saloppen 300 Stundenkilometern plötzlich das Heck des Toro-Rosso-Piloten Carlos Sainz vom Asphalt und der Spanier schoss ungebremst der Streckenbegrenzung entgegen. In die hat er sich dann folglich auch tief eingegraben. Ziemlich tief sogar. Ganze 20 Minuten waren die Streckenhelfer beschäftigt, Sainz wieder auszugraben. Der Kopf sei nicht mehr zu sehen gewesen zu sein, der Funkkontakt abgebrochen. Das schaut nicht schön aus.

Das fand auch Max Verstappen, der Teamkollege des Verunglückten: „Ist er okay? Sieht übel aus…“. Diese Frage blieb solange unbeantwortet, bis Carlos Sainz selbst, direkt von der Trage weg, Entwarnung gab. Auch das Krankenhaus in Sotschi gab nach einem dreistündigen Komplettcheck bekannt, der Pilot habe seinen Unfall völlig unverletzt überstanden. Der will auch schon wieder auf die Piste: „Es gibt keinen Grund, sich Sorgen zu machen! Ich denke schon darüber nach, (…), morgen in der Startaufstellung zu stehen.“ Sein Teamchef, Franz Tost, sieht das jedoch anders: „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt würde ich eher sagen: ‚Nein!'“

Sie sehen, es tut sich was in Sotschi. Und fast hätten wir es vergessen, es ging ja heute um die Pole-Position. Die erste Reihe stellt, mit Nico Rosberg und Lewis Hamilton, Mercedes. Die zweite Startreihe teilen sich Valtteri Bottas (Williams) und Sebastian Vettel auf Ferrari. Wo und ob überhaupt Carlos Sainz stehen wird, steht bislang noch in den Sternen. Und die verkünden für den morgigen Renntag schönes Wetter. Auch wir werden für Sie morgen am Start sein. Das Rennfieber, es juckt…

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.