Flugzeugkatastrophe im Sinai – Anschlag immer unwahrscheinlicher

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Nachdem sich eine örtliche IS-Keimzelle gebrüsket hatte, das Passagierflugzeug auf dem Flug vom Roten Meer nach St. Petersburg abgeschossen zu haben, mehren sich inzwischen die Zweifel an der Option eines Terroranschlags. Man geht mittlerweile von einer feisten Propagandalüge des IS-Ablegers „Wilayat Sina“ (Provinz Sinai) aus, um den Islamischen Staat im Gespräch zu halten.

Die ägyptischen Behörden hatten von Anfang an ihre Zweifel an der Version eines Attentats vom Boden der Halbinsel gehegt. Sicherlich hat die Untergruppierung der IS-Kämpfer vor Ort mit Überfällen und Anschlägen auf Regierungseinheiten von sich reden gemacht und bislang Hunderte ägyptischer Soldaten und Polizisten getötet. Nie jedoch seien sie aber laut Behördenangaben derart militärtechnisch hochgerüstet gewesen zu sein, um ein solches Massaker anzurichten.

Noch nie traten im Wirken der lokalen Terroristen Boden-Luft-Raketen auf den Plan. Widersprüchlich sei zudem, dass sogenannte „Manpads“, so bezeichnet man tragbare Flugabwehrraketen, ein Flugzeug in knapp 10.000 Metern Höhe je erreichen könnten. Vielmehr gehe man von einer gezielten Desinformation aus, die der Erschütterung über die massiven Luftangriffe seitens des russischen Militärs gegen IS-Stellungen in Syrien Nachdruck verleihen sollen.

Mittlerweile teilt man auch im russischen Verkehrsministerium diese Sichtweise. Menschliches Versagen sei ebenfalls weitgehend ausgeschlossen, so hieß es. Das gesamte Personal wurde vor dem Abflug einem medizinischen Check unterzogen und es gab keinerlei Anlass zur Besorgnis. Demnach dürfte ein technischer Defekt als Unfallursache immer wahrscheinlicher werden.

Vorsichtshalber haben allerdings die Fluggesellschaften Lufthansa und Air France-KLM schon kurz nach der Katastrophe verlauten lassen, das Gebiet künftig zu umfliegen. Die Schweizer Swiss Air teilte mit, sämtliche Flugrouten schon seit längerem geändert zu haben und die Region aus Sicherheitsgründen nicht mehr zu überfliegen.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.