Flugzeugabsturz: Katastrophenschutz fliegt 144 Leichen nach St. Petersburg

Foto: Wikipedia CC BY-SA 3.0Foto: Wikipedia CC BY-SA 3.0
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St. Petersburg – Um 05:52 Uhr Ortszeit ist ein Flugzeug des russischen Katastrophenschutzes mit den Überresten von 144 Passagieren des über dem Sinai abgestürzten Airbis-321 in Petersburg gelandet. Eine zweite Maschine soll gegen 21 Uhr in Pulkovo eintreffen. Die Leichen wurden unter Polizeigeleit in das zentrale Obduktionshaus im Norden der Stadt gebracht.

Die Untersuchung der Flugschreiber beginnt Montagmorgen. Daran nehmen Experten aus Irland teil, weil das Flugzeug offiziell dort angemeldet war. Die Europäische Organisation zur Sicherung der Luftfahrt (Eurocontrol) hat indessen die Nutzung der üblichen Flugrouten über dem Sinai verboten.

In der Luft zerborsten

Laut Interfax hatten die Piloten bis zum Schluss keine Notsignale gesendet und nicht um eine Notlandung in Kairo gebeten, wie ursprünglich berichtet worden war. Nach Angaben von Experten ist die Maschine in der Luft zerborsten. Aus der Anordnung der Trümmer gehe hervor, dass die Maschine senkrecht zu Boden stürzte und mit dem Rücken aufprallte.

Die Hauptversion der Ursache lautet „jäher Druckverlust im Passagierraum“. Auslöser könnte die Explosion einer Bombe im Gepäckraum sein. Wäre dies der Fall, würde die aktuelle Katastrophe der von Lockerbie im Jahr 1988 gleichen, als über dieser schottischen Ortschaft eine Boeing 747 durch eine Explosion in der Luft zerrissen wurde. Damals starben alle 259 Insassen der Maschine und elf Bewohner von Lockerbie.

Möglicherweise spielt ein Unfall von 2001 eine Rolle bei der Katastrophe. Damals prallte die Maschine bei einer Landung in Kairo mit dem Heck auf dem Boden auf, was ernste Reparaturarbeiten nach sich zog. Auch die Zerstörung eines Triebwerkes wird in Betracht gezogen.

Trauerfeier auf dem Schlossplatz

Heute berät die Petersburger Stadtregierung über die materielle Entschädigung für die Angehörigen der Opfer. Gouverneur Georgi Poltawtschenko erklärte, die Summe werde für alle gleich sein, Wohnort oder Staatsbürgerschaft würden keine Rolle spielen. Auf Poltawtschenkos Anweisung sind in Petersburg auch der 2 und 3. November zu offiziellen Trauertagen erklärt worden.

Sonntag gegen Abend versammelten sich etwa 2.000 Menschen auf dem Schlossplatz, um der Toten zu gedenken. An der Alexandersäule legten sie Blumen und Stofftiere nieder, zündeten Kerzen an und ließen 224 weiße Luftballons aufsteigen. Zu der Aktion war in den sozialen Netzwerken aufgerufen worden.

Viele Petersburger waren schon kurz nach Bekanntgabe des Unglücks zum Flughafen Pulkovo geeilt, um ihr Mitgefühl auszudrücken. Am Eingang zum Terminal legten sie Blumen nieder und entzündeten Kerzen. Diese spontan entstandene Gedenkstätte wird später vielleicht in ein Denkmal umgewandelt. Der Absturz über dem Sinai mit 224 Toten ist das größte Flugzeugunglück in der Geschichte der russischen Luftfahrt.

[sb/russland.RU]