Flugzeugabsturz im Sinai: „Zu 90 Prozent war es eine Bombe“

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Die ägyptischen Behörden sind sich inzwischen fast sicher: Der russische Airbus, der am 31. Oktober über der Sinai-Halbinsel abstürzte, wurde von einer Bombe zerrissen. Britische Medien nennen den Namen des mutmaßlichen „Organisators“ des Anschlags – es soll der Anführer der islamistischen Splittergruppe „Provinz Sinai“ sein. In Scharm el Scheich befragt die Polizei indessen das Personal der Hotels, in denen die Opfer der Katastrophe abgestiegen waren.

Am Sonntag erklärte eine Quelle in der offiziellen Untersuchungsgruppe gegenüber Reuters, die Explosion einer Bombe an Bord sei „zu 90 Prozent sicher“. Zuvor hatte Kairo die Version eines Terroranschlags stets zurückgewiesen und vor „wilden Spekulationen“ gewarnt. Eine ähnliche Position hatte auch Moskau bezogen. In London und Washington war die Terrorversion von Anfang an als wahrscheinlichste gehandelt worden.

Ehemaliger Kleiderhändler mutmaßlicher Hintermann

Laut der britischen Zeitung „The Sunday Times“ steckt hinter dem mutmaßlichen Anschlag der Anführer der islamistischen Terrorzelle „Provinz Sinai“, Abu Osama al-Masri. Der 42-jährige ehemalige Kleiderhändler war nach dem Besuch einer Islam-Schule in Ägypten in den radikalen IS-Untergrund abgedriftet.

Laut der „Sunday Times“ haben die britischen Behörden Ägypten und Russland Hilfe „beim Aufgreifen oder der Beseitigung“ des Terroristenführers versprochen. Dazu könnte der Einsatz der britischen Sondereinheit SAS gehören.

Durchsuchungen und Befragen in ägyptischen Hotels

Nach Berichten von TASS überprüft die ägyptische Polizei die Mitarbeiter der Hotels, in denen die Passagiere der verunglückten Maschine wohnten. Befragt werden vor allem Personen, die Zugang zu den Zimmern hatten.

Inzwischen wurden Dutzende Personen befragt, die am Flughafen von Scharm el Scheich arbeiten. In der vergangenen Woche hatte es Berichte gegeben, nach denen Flughafenmitarbeiter Passagiere gegen „ein kleines Trinkgeld“ an den Kontrollen vorbeigelotst haben sollen. Es seien große Sicherheitslücken bei der Abfertigung aufgedeckt worden, berichteten die internationalen Medien.

Flugverbot nach Ägypten gilt „mindestens mehrere Wochen“

Indessen läuft die Evakuierung von russischen Urlaubern aus Ägypten weiter. Die Passagiere dürfen nur „Handgepäck mit dem Allernötigsten wie Kindernahrung und Medikamente“ mit an Bord nehmen, verlautete aus dem Russischen Tourismusverband. Das Gepäck werde getrennt nach Moskau transportiert und von dort an die Heimatadressen weitergeschickt.

Viele Touristen, die am Sonntag nach Petersburg zurückgebracht wurden, haben nach offiziellen Angaben ihren abgebrochenen Ägypten-Urlaub umgebucht; 200 „Heimkehrer“ seien bereits in die Türkei abgeflogen.

Wie Vizepremierminister Arkadi Dworkowitsch am Wochenende mitteilte, wird das russische Flugverbot für Ägypten mindestens einige Wochen gelten. „Es ist noch zu früh, konkrete Fristen zu nennen“, sagte er bei einem Briefing. „Es geht auf jeden Fall um mehrere Wochen.“

[sb/russland.RU]