Flugzeugabsturz im Sinai – eine vorläufige Zusammenfassung

cockpit-547890_640
image_pdfimage_print

Kairo/St. Petersburg – Klar ist bisher nur, dass überhaupt nichts klar ist. Am gestrigen Samstagmorgen stürzte eine Passagiermaschine der russischen Fluggesellschaft Kogalymavia mit mehr als 200 Menschen an Bord über der ägyptischen Halbinsel Sinai ab. Bei den Passagieren handelte es sich überwiegend um russische Urlauber, die auf der Rückreise von ihrem Urlaubsort am Roten Meer mit Ziel St. Petersburg unterwegs waren.

So tragisch das Unglück ist, so wenig herrscht Gewissheit um die Absturzursache. Laut Medienberichten konnten Augenzeugen vor Ort erkennen, dass der Airbus 321 bereits Feuer gefangen hatte, bevor er mit 30,5 Metern pro Sekunde in den Sinkflug überging. Offenbar versuchte der Pilot noch notzulanden, bevor die Maschine in gebirgigem Gelände zerschellte. Schon bald war klar, dass keiner der 224 Menschen im Inneren überlebt hatte.

Noch stand die Ankunft des Fluges 7K9268 auf der Ankunftstafel des St. Petersburger Flughafens Pulkovo, als auch schon die ersten psychologischen Betreuer vor Ort eintrafen, um sich um die wartenden Angehörigen zu kümmern. Die Mehrzahl der Opfer stamme wohl aus Petersburg und dem Leningrader Gebiet, schrieb die Onlinezeitung Fontanka.ru.

Der Boulevard ließ verlauten, dass man aus dem Inneren des Flugzeugs noch „schmerzerfüllte Schreie“ habe hören können. Die Sicht sei gut gewesen und der Airbus, obwohl 18 Jahre alt, sicherheitstechnisch in einwandfreiem Zustand. Dennoch sei der Kontakt mit der Luftraumüberwachung in Kairo nach 23 Minuten abgebrochen und die Maschine vom Radar verschwunden. Etwa 40 Minuten nach dem Start ließ die ägyptische Behörde vermelden, dass es keine Überlebenden gibt.

Geraume Zeit nach der Tragödie tauchte ein Video auf, in dem sich ein Ableger des Islamischen Staates zu einem Terroranschlag auf das Flugzeug bekannte. In der Tat befindet sich im Gebiet des Absturzorts eine Keimzelle der „Sinai-Provinz des IS“. Ägyptische Sicherheitskräfte bezeichnen diese Botschaft jedoch als gefälscht, da sie nicht in das übliche Schema des IS passe. Zudem sei es den Terrormilizen mit ihren zur Verfügung stehenden Mitteln nicht möglich, ein Flugzeug, dass seine reguläre Flughöhe erreicht hat, vom Boden aus abzuschießen.

Da die nördlichen Teile der Sinai-Halbinsel militärisches Sperrgebiet sind, wurden keine Journalisten an die Unglücksstelle gelassen. Mittlerweile sind Blackbox und Voice-Recorder gefunden worden und werden nun ausgewertet. Auch wurden gestern Abend die Leichen nach Kairo gebracht und nach Angaben von Sky News Arabia im Leichenhaus Zeinhom im Zentrum der ägyptischen Hauptstadt aufgebahrt. Sowohl die ägyptischen als auch die russischen Behörden haben ihre Ermittlungen aufgenommen.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.