Finanzen in Russland: Putin als Manager gefragt

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Nach dem mit Spannung erwarteten G2-Treffen in Hamburg sinken die erschöpften Akteure ermattet in die Sessel. Puff hat es gemacht – im Kern unterschiedlich verstehen sich „Die Zwei“ bestens; und dann noch das Sommerloch. Ruhe für einen Blick auf Russlands Finanzen, die der russische Präsident zu managen hat.

Die Gesamtlage ist stabil. Wladimir Putin wird nächstes Jahr erneut gewählt und mit der WM 2018 ist globale Präsenz in den Medien gesichert. Bis dahin wird sich Putin um die wirtschaftliche Erstarkung kümmern können. Die Zeichen für eine Wiederbelebung stehen nicht schlecht. Sanktions-Management ist angesagt. Bei geringem Schuldenstand und hohem Gold- und Devisenbestand sowie Rohstoffreichtum eine prinzipiell lösbare Aufgabe, die durch die Sanktionen des Westens dennoch kniffelig werden könnte.

Die Rezession in Russland nähert sich dem Ende, die Inflationsrate sinkt, die Löhne steigen leicht, die Teuerungsrate soll bis Ende des Jahres auf erträgliche vier Prozent fallen, die OECD hält 2017 und 2018 ein Wachstum von 1,4 beziehungsweise 1,6 Prozent für möglich, die Konjunktur zieht an und für die zweite Jahreshälfte plant Notenbankchefin Elvira Nabiullina die Senkung des Leitzins von derzeit neun auf 8,25 Prozent – es ist wieder mehr Dynamik im Spiel der russischen Wirtschaftsfaktoren.

Dem entgegen stehen der tiefe Erdölpreis und die Flaute am Moskauer Aktienmarkt. Noch zu Jahresbeginn hatten die beiden Leitindizes viele Vorschusslorbeeren der Investoren bekommen: im Januar (der Ölpreis war stabil) erreichte der Micex-Index ein Allzeithoch, der RTS den höchsten Stand seit Herbst 2014. Darauf folgte eine Talfahrt, die Experten noch nicht beendet sehen. Der RTS, der die fünfzig wichtigsten in Dollar notierten Aktien vergleicht, hat seit Jahresbeginn zwölf Prozent verloren. Der Micex, das Pendant für Rubel-Papiere, büsste über vierzehn Prozent ein. Der Benchmark-Schwellenländer-Index MSCI Emerging Markets legte hingegen um neunzehn Prozent zu.

Zusätzlich hat sich die Marktstimmung im Juni eingetrübt, als bekannt wurde, dass im US-Kongress an einer Ausweitung der Sanktionen gearbeitet werde – anstatt an einer Kehrtwende in der Russlandpolitik. Viele vermögende Klienten sollen aus Wertpapieren in Bargeld umgeschichtet haben, bis sich die Lage geklärt habe.

Russland muss am Kapitalmarkt zur Refinanzierung von Schulden und zur Schließung von Haushaltslücken notwendige Mittel aufnehmen. Wenn der Ölpreis erneut sinkt und der Rubel damit weiter fällt, wird es für Putin schwierig. Trump will jedenfalls dafür sorgen, dass die Energiepreise auf niedrigem Niveau verharren. Dass es im Zuge der Verschärfung der Sanktionen US-Investoren der Kauf russischer Anleihen künftig verboten werde, ist unwahrscheinlich.

Dennoch kann der Geldbedarf des russischen Staates für Anleger zum Lichtblick werden. Börsenprofis empfehlen Anlegern, Russland-Anleihen zu kaufen, denn Rubel-Bonds locken mit hohen Renditeaufschlägen. Bei einer Übergewichtung von russischen Rubelanleihen werde man nach Ansicht der Investmentgesellschaft Aberdeen Asset Management angemessen entschädigt. So weist der bis 2024 laufende Bond gegenüber der entsprechenden Bundesanleihe einen Renditeabstand von über acht Prozentpunkten auf. Auch die Investmentgesellschaft M & G hält einem Bloomberg-Bericht zufolge russische Zinspapiere für aussichtsreich.

Dass zumindest einige Aktienkurse bald wieder steigen könnten liegt daran, dass Russland auf große, von ihm kontrollierte Unternehmen Druck ausübt, die Dividendenausschüttung auf die Hälfte des Reingewinns zu erhöhen. Branchenprimus Rosneft hat versprochen, nächstes Jahr die Hälfte des Gewinns von 2017 auszuschütten. Der Verwaltungsrat von Tatneft, der fünftgrößte Erdölproduzent des Landes, dessen Vorzugsaktien seit Ende April um 25 Prozent zulegten, billigte bereits eine Aufstockung der Dividende, und das schon für den Gewinn von 2016. Auch die Sberbank, das größte Kreditinstitut Russlands, könnte dann zu einer höheren Ausschüttung übergehen.

Eine generöse Ausschüttung käme nicht nur privaten Aktionären zugute sondern auch Putin zur Konsolidierung von Russlands Finanzen.

[hub/russland.NEWS]