„Femen“ protestiert nicht mehr

Foto: Joseph Paris CC BY-SA 2.0 via Flickr
image_pdfimage_print

Die ukrainische Frauenbewegung „Femen“ hat sich offenbar aufgelöst. Die Protestbewegung die meist mit nackten Tatsachen auf sich aufmerksam machte, sei an internen Führungsquerelen zerbrochen, heißt es.

Gegründet hat sich die Gruppe der selbsternannten Frauenrechtlerinnen 2008 um für die Stellung der Frau einzutreten. Wie es nun heißt, seien die „Femen“ bereits 2015 ihrem eigenen Zickenkrieg zum Opfer gefallen. Die proklamierte „neue globale Frauenbewegung“ gab laut ihrer ehemaligen Aktivistin Jana Schdanowa gegenüber ukrainischen Medien ihre Auflösung bekannt. Schdanowa sei der ukrainischen Presse zufolge die wohl bekannteste Protestlerin der Bewegung geworden, die von Anna Guzol sowie Alexandra und Inna Schewtschenko ins Leben gerufen wurde.

Inna Schewtschenkos letzte von der Öffentlichkeit wahrgenommenen Aktion war die Zerstörung eines Holzkreuzes bei Kiew, das an die Opfer des Stalinregimes erinnern sollte, im Jahr 2012 mit einer Motorsäge. Im Jahr darauf ging sie nach Frankreich und bekam dort Asyl. Seit dieser Zeit traten „Femen“ nicht mehr als Gruppe auf und machte nur noch mit Einzelaktionen, aus dem westlichen Ausland organisiert, von sich Reden.

In der Zeit in Frankreich soll dann alles aus den Fugen geraten und zerfallen sein, wie Jana Schdanowa aus dem Nähkästchen zu berichten weiß. „Die ,Femen‘ gibt es nicht mehr. Alle haben sich getrennt wie Schiffe auf hoher See. Jetzt ist Femen keine Organisation mehr, sondern ein Proteststil. Jener Stil, den wir im Laufe des Bestehens unserer Organisation geschaffen haben, wird einfach entlehnt“, resümierte die nun ebenfalls in Frankreich ansässige Frauenrevoluzzerin auf dem ukrainischen Online-Portale „Apostrophe“.

Zu den, von Außenstehenden nicht immer gut geheißenen, Aktionen der Bewegung gehörten die entblößten Brüste der Aktivistinnen, die plakativ mit Parolen versehen waren. Auch durch Deutschland zog sich die Spur des halbnackten Protests. Mehrere Aktionen vor Bordellen, die gegen die Ausbeutung osteuropäischen Frauen und Mädchen gerichtet waren, sowie 2013 der „Auftritt“ anlässlich des Besuchs von Angela Merkel und Wladimir Putin auf der Hannovermesse, die zu den Bekannteren zählen, wurden stets milde geahndet. Die „Besetzung“ des Altars im Kölner Dom während der Weihnachtsmesse 2013 ging den Ordnungshütern dann doch zu weit und die deutsche Aktivistin Josephine Witt wurde wegen Störung der Religionsausübung zu einer Geldstrafe verurteilt.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.