Falschnachrichten: Eine nicht rauchende Pistole bleibt eine Pistole

Foto: commons.wikimedia/Palmer, Alfred T. Public domain
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[Ein Kommentar von Hans-Ulrich Berger] – Geheimdienste greifen selten zu Pistolen. Ihre Waffen bestehen aus Nachrichten. Die von außen zu ergatternden und die zu produzierenden, mit denen sie beeinflussen wollen. Mit Worten, Bildern, Gerüchten, Lügen und Kampagnen. Dienste erkennen Falschnachrichten oder auch nicht, Dienste veröffentlichen Falschnachrichten mit der erhofften Wirkung oder auch nicht.

Wohl jeder Staat auf diesem Planeten hat entsprechende Dienste. Genau das hat der Bericht vom Bundesnachrichtendienst und Bundesamt für Verfassungsschutz Russland jetzt bestätigt: Russland trägt eine Pistole. Und dass man es mit einer offiziellen Untersuchung deutscher Dienste nicht in flagranti – mit einer smoking gun – erwischen kann.

Anzunehmen, Russlands Dienste arbeiteten nicht, ist dümmlich. Mehr als dümmlich ist die Hybris, den Dienstbetreiber, also Russland, als Schnüffler zu diskreditieren, wenn man sie bei der Arbeit beobachtet hat – oder auch nicht.

Russland weiß jetzt, dass deutsche Dienste nicht wissen, wie russische Kampagnen-Arbeit im Detail funktioniert. Verständlich, dass die deutsche Seite verärgert ist, normal ist es dennoch. Ob Russland über nicht zu veröffentlichende – aber drei unterschiedlichen Medien zugespielte bzw. vorgelegte – Dokumente die deutsche Seite informierte, dass man nichts wisse?

Ich weiß nicht, aber hier stimmt was nicht. Nachrichtendienste untersuchen öffentlich, welche Rolle Falschnachrichten spielen, um dann nicht veröffentlichen zu wollen, dass man weiß, dass gespielt wird, man aber die Regeln nicht kenne. Diese Nachricht kann nur eine Falschmeldung sein, um Moskau in Sicherheit zu wiegen oder aufs Parkett zu locken. Oder hatte nicht Moskau unsere Dienste zu dieser Untersuchung verleitet, nicht unsere Medien dazu gebracht, diese Fakes über Fakenews zu verbreiten?

Nun wird mir selber schwindelig, ob wahr oder nicht wahr. Das kann aber auch von besorgten Gedanken über den nachlassenden Wert von Nachrichten kommen. Welchen Wert Nachrichten haben können, wissen wir seit Wikileaks und Snowden. Die schmählich bloß Gestellten rächen sich jetzt mit der Fakenews-Debatte zur Zerstörung des Fundaments aller Nachrichten – dem Vertrauen der Leser.

[Hans-Ulrich Berger/russland.NEWS]